Aktivierung und Innovation urbaner Bewegungsräume: Rückblick auf Tag 3 des 25. IAKS Kongresses

Die Vorträge sind allen Teilnehmern des Kongresses sowie exklusiv allen Mitgliedern der IAKS kostenfrei zum Download zugänglich.

 

Aktivierende urbane Räume

Außenanlagen stehen den Nutzern ganzjährig zur Verfügung, gleichzeitig nehmen die Risiken mit Blick auf Haftung und Vandalismus stetig zu. In der ersten Session des dritten Kongresstages, moderiert von Karin Schwarz-Viechtbauer, Direktorin des Österreichisches Instituts für Schul- und Sportstättenbau (ÖISS), wurden die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Funktion urbaner Räume aufgezeigt.

Florian Mathys, Abteilungsleiter des Sportamts der Stadt Basel, stellte Pumptracks als einen neuen Ansatz zur Förderung des Radfahrens in der Stadt vor. Die Strecken lassen sich an unterschiedliche Anforderungen, d. h. an verschiedene Fähigkeiten, Flächen und Sportgeräte, anpassen. Sie sind in hohem Maße zugänglich und können für den Schulsport und in der Freizeit zur Förderung des Radfahrens in der Kommune genutzt werden.

„Wie sich Schulhöfe in kommunale Aktivräume verwandeln“ war der Titel der Präsentation von Lars Hjorth Bærentzen. Die Neugestaltung von Schulhöfen und ihre Öffnung für Aktivitäten in der Kommune ist eines der Ziele, die von der Dänischen Stiftung für Kultur und Sportstätten gefördert werden. Schulhöfe sollten als angenehmer und sicherer Treffpunkt dienen. Der Abbau von Zäunen, eine verbesserte Sichtbarkeit und die Einrichtung von Sitzgelegenheiten sind Schlüsselfaktoren bei der Aktivierung von Schulhöfen.

 

Machbarkeitsstudien: Gemeinschaftliche Prozesse zur Projektentwicklung

In dieser von Zbigniew Klonowski, Präsident der IAKS Polen, moderierten Session wurden professionelle Machbarkeitsstudien und Business Cases als Gerüst vorgestellt, auf das Behörden unterschiedlicher Ebenen hinsichtlich einer Co-Finanzierung ihrer Projekte vertrauen können.

Ron Bidulka, Geschäftsführer von PricewaterhouseCoopers, Kanada, erläuterte den Umgang mit kommunalen Sport- und Freizeitanlagen, die in der Regel programmbasiert konzipiert sind. Entscheidender Faktor ist ein breit gefächertes Angebot an Aktivitäten, die alle Nutzergruppen in der Kommune ansprechen.

Gemeinsam mit Conrad Boychuk, leitender Direktor für Freizeit- und Sportstättenplanung, HDR | CEI Architecture Associates, wies Bidulka darauf hin, dass multifunktionale Zuschaueranlagen hingegen meist veranstaltungsbasiert geplant werden. Hier zählen der Veranstaltungskalender und die Fähigkeit, eine Vielzahl von finanziell tragfähigen Veranstaltungen zu den Erfolgsfaktoren für eine Nutzung der breiten Marktchancen. Conrad Boychuk wies darauf hin, dass Architekten oft den Standort einer Anlage als wichtigsten Faktor betrachten. Tatsächlich sind jedoch die langfristigen ökonomischen Auswirkungen das zentrale Unterscheidungsmerkmal für die Finanzierungspartner und die Kommunalverwaltungen.

 

Trends beim Betrieb kommunaler Sport- und Freizeitanlagen

Unter der Leitung von Wolfgang Becker, Jurymitglied 2017 und Leiter des Universitäts- und Landessportzentrums Rif/Salzburg, Österreich, wurden in diesem Workshop Herausforderungen diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht mit Blick auf die zukünftigen Entwicklungen beim Betrieb öffentlicher Sport- und Freizeitanlagen.

Gar Holohan, Gründer und Präsident von AURA Holohan Group, Irland, informierte die Teilnehmer über vier zentrale Komponenten für die finanzielle Tragfähigkeit: Marktpotenzial, geeigneter Mix und adäquate Größe qualitativ hochwertiger Anlagen, klar definierte Aufgaben und Verantwortlichkeiten der beteiligten Akteure und herausragendes Management. Die Nachhaltigkeit der Strategien muss neu überdacht werden, insbesondere angesichts des demografischen Wandels und der gesundheitsbezogenen Probleme der Bevölkerung. Für Holohan stellt die Tatsache, dass die Lebenszykluskosten oft hinter die Investitionskosten zurücktreten, eines der zentralen Probleme dar.

Prof. Peter Taylor, Sheffield Hallam University, Großbritannien, brachte seine Gedanken zu öffentlichen Subventionen im Bereich Sport und Freizeit in die Diskussion ein. Er forderte eine gezielte finanzielle Förderung anstelle der üblichen sektorweiten Subventionierung. Die Herausforderungen der Zukunft liegen in sinkenden öffentlichen Zuschüssen bei gleichzeitig zunehmendem Wettbewerb durch den privaten Sektor. Ein besserer Nachweis der gesellschaftlichen Investitionsrendite im Bereich Sport und Freizeit ist erforderlich, um öffentliche Zuschüsse zu rechtfertigen. Gleichzeitig müssen verstärkt Technologien zum Einsatz kommen, um die Personalkosten zu senken.

 

Innovative Lösungen für kommunale Sport- und Freizeitanlagen

In dieser Session ging es um kommunale Sport- und Freizeitanlagen als Orte, an denen nicht nur Sport getrieben wird, sondern die auch Treffpunkt für soziale Interaktion sind. Dies erfordert die Berücksichtigung vielfältigerer Nutzererwartungen bei der Planung, bietet aber auch neue Möglichkeiten für eine zusätzliche Ertragsgenerierung und die Förderung der Gesundheit der Menschen vor Ort. Moderator Mike Hall, Partner bei FaulknerBrowns Architects, führte durch die Podiumsdiskussion.

Sergi Carulla und Oscar Blasco, beide Gründer und Architekten von Scop Arquitectura I Paisatge, stellten die Idee hinter ihren mit einer Bronzemedaille des IOC IAKS Award 2017 ausgezeichneten Skateparks in sozial benachteiligten Stadtvierteln der katalanischen Metropole Barcelona vor. Dort wurden kleine Brachen im urbanen Raum in Flächen für eine aktive Förderung sozialer und körperlicher Aktivität umgewandelt.

Wie kann eine Vernetzung der Bevölkerung mit kommunalen Sport- und Freizeitanlagen erreicht werden? Am Beispiel des Clayton Community Hub in Surrey/Kanada erläuterte Darryl Condon, Mitglied der Geschäftsführung von HCMA Architecture, wie dieses Zentrum in der kanadischen Stadt Surrey als eine Kombination von Kunstraum, Bibliothek, Freizeit- und Außenanlagen eine Vielzahl unerwarteter Möglichkeiten für Lernen, Entdeckungen und Erschließung von Potenzialen bietet. Elemente des sozialen Lebens und der natürlichen Umgebung wie „hohle Baumstämme“, „Lagerfeuer“, „Fort“ und „Lichtung“ wurden hier in die Architektursprache übersetzt.

Lars Hjorth Bærentzen von der Dänischen Stiftung für Kultur und Sportstätten erläuterte, wie Körper und Geist bei Street Sports zusammenfinden und wie sich dieser freiheitliche Ansatz selbst organisierter Aktivität auf Sport- und Freizeitanlagen übertragen lässt. In der Aktivitätslandschaft Harboøre wurden Räume für soziale Begegnung inmitten von Skate- und Grünflächen angeordnet. Alles befindet sich an einem Standort, sodass man für Aktivität und Entspannung keine unterschiedlichen Orte aufsuchen muss. Die Grenzen verschwimmen, die Anlage ist für alle Altersgruppen ein attraktiver Treffpunkt.