Das müssen Kommunen wissen: Rückblick auf Tag 2 des 25. IAKS Kongresses

Die Vorträge sind allen Teilnehmern des Kongresses sowie exklusiv allen Mitgliedern der IAKS kostenfrei zum Download zugänglich.

 

IOC/IPC/IAKS Architekturpreise 2017: Beispielhafte kommunale Sport- und Freizeitanlagen

Der zweite Kongresstag begann mit einer Session zu einigen der im Rahmen der IOC/IPC/IAKS Architekturpreise 2017 ausgezeichneten Projekte. Durch die Präsentationen führte Jurymitglied und Berater für Barrierefreiheit Mark Todd.

Steffan Robel, Geschäftsführer A24 Landschaft Landschaftsarchitektur, stellte die mit Gold prämierte Freizeitanlage Kohlelager Landau vor. Sportstätten müssen wegen sich verändernder Sportgewohnheiten mehr Flexibilität und mehr Möglichkeit zum Individualsport bieten, sodass alle Generationen vom Angebot profitieren können. Die Anlage ‚Kohlelager‘ zeichnet sich durch die Integration von klassischen sowie neuen Sportangeboten aus. Die ehemalige Kasernenanlage bietet eine Kombination aus Natur, Sport- und Betonanlagen. Sport und Spiel sind verzahnt. Sie laden zu körperlicher Aktivität ein und führen vor allem Kinder über den spielerischen Umgang an den Leistungssport heran.

Anastaciia Tcyganova, Gewinnerin der Goldmedaille beim IOC IPC IAKS Architecture and Design Award for Students and Young Professionals 2017, stellte ihre Designstudie für die Radrennbahn in Saratow, Russland, vor. Sie erklärte, dass sie in ihrer Designstudie über einen wissenschaftlichen Ansatz neben einem ebenso künstlerischen wie funktionalen Design die Bedürfnisse der Athleten in den unterschiedlichen Radsportdisziplinen berücksichtigt und verschiedene Nutzungskombinationen analysiert habe. Das Velodrom in Saratow soll die lokale Bevölkerung und Touristen gleichermaßen ansprechen und motivieren, sich sportlich weiterzuentwickeln und insgesamt gesünder zu leben.

Victors Jaunkalns, Gründer und Inhaber von MacLennan Jaunkalns Miller Architects, stellte das Branksome Hall Athletics & Wellness Center in Toronto, Kanada, vor, eine mit Silber prämierte Anlage. Für das Gebäude stand auf dem Campus einer Privatschule für Mädchen nur begrenzter Platz zur Verfügung. Der Bebauungsplan sah zudem eine maximale Höhe von 12 Metern vor. Die Eingangshalle wurde transparent konzipiert mit maximaler Tageslichtnutzung bei gleichzeitig geringer Blendung.

 

Innovative Finanzierungs- und Umsetzungsmodelle für kommunale Sport- und Freizeitanlagen

Der Workshop zur Diskussion von Herausforderungen und zum Austausch von Erfahrungen wurde von Conrad Boychuk, leitender Direktor für Freizeit- und Sportstättenplanung, HDR | CEI Architecture Associates, Kanada, moderiert. Präsentiert wurden diverse fertiggestellte Anlagen, die mit unterschiedlichen Finanzierungsmodellen realisiert wurden, die das Potential besitzen, von anderen Ländern übernommen zu werden.

Ron Bidulka, Geschäftsführer, PricewaterhouseCoopers, informierte darüber, wie die Finanzierungslücke bei Sport- und Freizeitanlagen geschlossen werden kann. Fundraising oder die Kapitalbeteiligung Dritter kann eine Finanzierungslösung darstellen. Mit Blick auf den Betrieb sind die Erweiterung der Nutzergruppe, der Einsatz eines externen Event Managers oder die Einbindung ertragsteigernder Elemente wie Einzelhandelsflächen gangbare Methoden. Für Bidulka bildet eine flexible Kombination aus Kapitalquellen und operativen Einnahmen den Schlüssel für eine erfolgreiche Schließung der Finanzierungslücke.

Rick Kozuback, President und CEO bei International Coliseums Corporation, stellte diesbezüglich herausragende Konzepte aus den USA dar. Die nationale Regierung und die Bundesstaaten in den USA haben Subventionsprogramme aufgelegt. Über von den Wählern genehmigte Initiativen sind Steuererhöhungen zur Finanzierung des Anlagenbaus umsetzbar. Dieser innovative Ansatz ist ein beispielhaftes Verfahren zur Senkung der Finanzlast, die in Verbindung mit der Finanzierung von Sport- und Freizeitanlagen oft auf die Kommunen zukommt.

 

IOC/IPC/IAKS Architekturpreise 2017: Beispielhafte kommunale Sport- und Freizeitanlagen

In der Nachmittags-Session wurden kommunale Sport- und Freizeitanlagen vorgestellt, die mit den IOC/IPC/IAKS Architekturpreisen 2017 ausgezeichnet wurden. Moderator war Wolfgang Becker, Jurymitglied der IOC/IPC/IAKS Architekturpreise 2017 und Leiter des Universitäts- und Landessportzentrums Rif/Salzburg, Österreich.

Ana Paula Polizzo, Direktorin und Partnerin, OA | Oficina de Arquitetos, Brasilien, sprach über die preisgekrönte Arena do Futuro in Rio de Janeiro. Sie machte deutlich, wie eine umfassende und weitsichtige Planung und Errichtung einer Sportstätte für Großveranstaltungen in einen nachhaltigen Plan für die langfristige Nutzung münden kann. Das Material der abgebauten Arena do Futuro wird für den Bau von vier Schulen in Rio de Janeiro verwendet.

Gildo Incitti, Gründer und Partner von NIS Architects und Gewinner der Silbermedaille beim IAKS IOC IPC Architecture and Design Award for Students and Young Professionals 2017, präsentierte seine Designstudie für ein Stadion namens Cinqueanelli für die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Um „weiße Elefanten“ zu vermeiden, entwarf er ein in das Stadtgefüge integriertes Stadion. Sein Konzept basiert auf den fünf olympischen Ringen – „Cinqueanelli“ in Italienisch.

Chris Dite, Stellvertretender Direktor bei Arup Associates, stellte das Nationalstadion und Sportzentrum in Singapur vor. Das Projekt wurde mit einer Goldmedaille prämiert. Es handelt sich um ein extrem flexibles Stadion für alle erdenklichen Sportarten. Das Dach kann an unterschiedliche Veranstaltungstypen und Witterungsbedingungen angepasst werden. Besonderes Augenmerk lag auf einer offenen Konstruktion und Integration in den Kontext der Umgebung.

Strategien zur Förderung der körperlichen Aktivitäten in der Kommune

Dieser Workshop wurde von Prof. Dr. Robin Kähler, Vorsitzender der IAKS Deutschland, moderiert. Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, Schwierigkeiten bei der Entscheidung für eine geeignete und angemessen finanzierbare Strategie zu diskutieren, mit der die Gesundheit der Bürger erhalten und gefördert werden kann.

Wolfgang Baumann, Generalsekretär TASIFA (The Association For International Sport for All), zeigte auf, wie eine Stadt von einem passiven zu einem die körperliche Aktivität fördernden Ort umgestaltet werden kann. Als größter Anbieter von Freizeitgestaltung sollten die Kommunen mehr in ihre Ressourcen und Netzwerke investieren, um Übergewicht und anderen weit verbreiteten Erkrankungen vorzubeugen. Das an Kommunen vergebene Global Active Label ist ein Indikator für die erfolgreiche Nutzung dieser Ressourcen zur Erhöhung des gesundheitsbezogenen Nutzens für die Bürger.

Casper Lindemann, Berater beim Dänischen Sportverband, benannte Funktionalität und flexibles Denken als Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Strategie zur Förderung der körperlichen Aktivität in der Kommune. Die Nutzung unkonventioneller oder brachliegender Flächen in der Stadt kann ein Weg sein, das Sport- und Freizeitangebot zu verbessern. Die Vielfalt neuer innovativer Ideen, die sich weltweit erkennen lassen, zeigt, wie viele Chancen bisher ungenutzt und unerkannt geblieben sind. Auch die strategische Planung bietet erhebliches Potenzial.