Ein Rückblick - 25. IAKS-Kongress: interdisziplinärer Austausch auf höchstem Niveau

Der 25. IAKS Kongress, auf dem bahnbrechende Projekte rund um globale Trends im Bau von Sport- und Freizeitanlagen vorgestellt wurden, war ein voller Erfolg. 48 Experten präsentierten an vier Kongresstagen architektonische und operative Lösungen zur Förderung von sportlicher Höchstleistung, Gesundheitsbewusstsein und einem aktiven Lebensstil. Rund 400 Teilnehmer aus 39 Ländern verfolgten die Präsentationen zu unterschiedlichen Themen, darunter die zunehmende Bedeutung der Multifunktionalität von Bewegungsräumen für Trendaktivitäten, die stärkere Ausrichtung auf universelles und barrierefreies Design mit Blick auf unsere alternde Gesellschaft und die Verpflichtung zu nachhaltigem Bauen im Einklang mit den Klimaschutzzielen.

Die Veranstaltung bot optimale Bedingungen, um bestehende Verbindungen zu vertiefen, neue Ideen zu präsentieren und zukunftsträchtige Perspektiven für die gesamte Branche aufzuzeigen. Für Ihre persönliche Nachbereitung oder falls Sie an einer der Vortragsreihen nicht teilnehmen konnten, bieten wir Ihnen nachfolgend einen Rückblick. Die Zusammenfassung startet mit Tag 1.

Die Vorträge sind allen Teilnehmern des Kongresses sowie exklusiv allen Mitgliedern der IAKS kostenfrei zum Download zugänglich.

 

Erfolgreiche Partnerschaften zwischen Sportsektor und Kommunen bei der Ausrichtung nationaler und internationaler Veranstaltungen

Unter der Moderation von Gilbert Felli, Senior Advisor IOC, wurde die erste Kongress-Session eröffnet. Behandelt wurden Themen wie erfolgreiche Partnerschaften mit Blick auf eine langfristig nachhaltige Nutzung, der Queen Elizabeth Olympic Park als erfolgreiches Beispiel für den nacholympischen Betrieb und langfristige Nachhaltigkeit durch den Erhalt und Betrieb von Sportstätten im Nachgang zu Großveranstaltungen.

Ron Bidulka, Geschäftsführer von PricewaterhouseCoopers in Kanada, hielt den ersten Vortrag zum Thema „Entwicklung kritischer wie realistischer und partnerschaftlicher Veranstaltungskonzepte“. Er stellte ein vierstufiges Modell für erfolgreiche Kooperationen vor: Vision, nacholympische Nutzung, Veranstaltungsstrategie und Partnerschaftsstrategie. Bidulka betonte, wie wichtig es ist, die nacholympische Nutzung im Auge zu behalten, und stellte vier beispielhafte Projekte erfolgreicher Partnerschaften und nachhaltiger Nutzungskonzepte für olympische Anlagen vor.

Simon Cooper, Bereichsleiter Sport der Greater London Authority, sprach im Anschluss über die erfolgreiche Partnerschaft während und im Nachgang der Olympischen Spiele in London 2012. Positive Effekte für die gesamte Gemeinde zu generieren, stand bei der Organisation der Olympischen Spiele 2012 im Mittelpunkt der Überlegungen. Aus Gründen der Nachhaltigkeit wurden im Queen Elizabeth Olympic Park Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Einzelhandel angesiedelt. London ist es gelungen, aus einem Sportgroßereignis langfristige gesellschaftliche und finanzielle Vorteile zu generieren und darüber hinaus ein vielseitiges Angebot für den Breitensport zu schaffen. Der nacholympischen Nutzung kommt eine ebenso hohe Bedeutung zu wie dem Bewerbungsprozess und der Durchführung der Wettkämpfe selbst.

Brad Mayne, Präsident und CEO der International Association of Venue Managers (IAVM), setzt sich konsequent für langfristige Nachhaltigkeit im Anlagenbetrieb ein. Er unterstrich, dass eine Sportstätte langfristig an unterschiedliche Nutzer anpassbar sein muss, um das Nutzungspotenzial maximal auszuschöpfen. Neben der Nutzung zu sportlichen Zwecken müssen Sporteinrichtungen der Zukunft auch Möglichkeiten bieten für gesellschaftliche oder kulturelle Veranstaltungen und zudem Aspekte berücksichtigen wie Erreichbarkeit, Barrierefreiheit und Sicherheit.

 

Temporäre und modulare Strukturen für Sportstätten

Im Rahmen der zweiten Kongress-Session präsentierten Branchenexperten außergewöhnliche Lösungen, darunter technische Innovationen und Bauverfahren. Die vorgestellten Projekte belegen die Kompatibilität mit internationalen Standards und Zielen in Bezug auf Kohlenstoffemissionen und diverse Nachhaltigkeitsaspekte.

Die Session wurde von Daniel Cordey moderiert, Vorsitzender der in der Schweiz ansässigen Association of Global Event Suppliers (AGES), der Co-Präsentatorin dieser Session über temporäre und modulare Strukturen.

Bernd Helmstadt, Vertriebsleiter der Nüssli Group, stellte das temporäre Eishockeystadion in Lausanne vor, das für eine langfristige Nutzung umgebaut werden musste. Das ursprüngliche Layout musste an die neuen Anforderungen von Verein, Fans und Hockeyliga angepasst werden. Dem Verein als Bauherrn ging es hierbei nicht allein um rein sportliche Aspekte, sondern auch um die Zuschauereinrichtungen und das Luftentfeuchtungssystem. Den Architekten gelang es, den Umbau innerhalb eines Jahres zu planen und umzusetzen.

Andy Mytom, Partner bei David Morley Architects, referierte über die Wasserballarena, die für die Olympischen Spiele in London 2012 errichtet und 2017 bei der Verleihung der IOC/IAKS Architekturpreise mit einer Silbermedaille ausgezeichnet wurde. Er zeigte in beeindruckender Weise auf, wie für den Bau der temporären Anlage Material recycelt und die Zuschauertribüne mit einer natürlichen Belüftung ausgestattet wurde. Im Nachgang der Olympischen Spiele wurden 90 Prozent des Materials wiederverwendet. Mytom vertritt den Standpunkt, dass Sportanlagen innen wie außen dem Event entsprechen und dabei die Bedürfnisse von Athleten und Fans berücksichtigen müssen.

Frans von Roessel, Vertriebsleiter bei Neptunus, sprach über die demontierbare Judohalle im niederländischen Arnheim. Die Halle ist als temporäre Anlage konzipiert und lässt sich bei Bedarf demontieren und an einem anderen Standort wiederaufbauen. Die Bauzeit der Judohalle betrug gerade einmal drei Monate, und es wurde besonderer Wert auf Funktionalität, Flexibilität und Ästhetik gelegt. Zum Einsatz kam ein modulares, nachhaltiges und energieeffizientes System.

Stéphanie Commandeur und Manuel Laborie, beide für den Bereich Unternehmensentwicklung bei GL Events verantwortlich, sprachen über modulare Sportanlagen und führten als Beispiel das Rugbystadion in La Rochelle an. Das Stadion wurde in nur drei Monaten zwischen den Saisons errichtet. Dank des modularen Systems lässt es sich an die unterschiedlichen Anforderungen und Bedarfe der Akteure anpassen, insbesondere an jene des Vereins mit wechselhafter sportlicher Leistung und finanzieller Situation sowie an die neu entstehenden Anforderungen bei einem Auf- oder Abstieg des Clubs. Die Lösung ist sehr kosteneffizient dank niedriger Baukosten und hoher Rendite für den Betreiber.

 

Trends beim Betrieb von Sport- und Veranstaltungsstätten

Dieser Workshop befasste sich mit den Herausforderungen an die Betreiber professioneller und semiprofessioneller Sport- und Veranstaltungsstätten in ihrem Bemühen, die Anlagen aus sozialer, umweltbezogener und finanzieller Sicht nachhaltig zu gestalten und so die Region und den Markt zu beleben.

Moderiert wurde der Workshop von John Sheehan, Redakteur der Zeitschrift PanStadia & Arena Management, der den Teilnehmern eindringlich die Bedeutung der Sicherheit vor Augen führte – im Inneren einer Sportanlage wie auch im Außenbereich.

Als erster Referent sprach Marcin Wojczynski, Leiter Unternehmensentwicklung bei SMG Worldwide Entertainment & Convention Venue Management aus Polen, über die täglichen Herausforderungen, die mit dem Betrieb von Sportanlagen einhergehen. Er wies auf Unterschiede in der Kultur, der Multifunktionalität und in Sicherheitsfragen hin anhand des anlässlich der UEFA Europameisterschaft 2012 gebauten Stadions in Breslau, bei dem die genannten Herausforderungen erfolgreich gemeistert wurden. Dieses Beispiel bewährter Praktiken ist multifunktional und entspricht den komplexen Marktanforderungen.

Brad Mayne, Präsident und CEO der International Association of Venue Managers (IAVM), befasst sich mit der Planung prestigeträchtiger Anlagen für Olympische Spiele, Weltmeisterschaften und den Super Bowl. Er gab wertvolles Wissen weiter aus seinem Erfahrungsschatz mit dem nachhaltigen Betrieb großer Sportstätten. Voraussetzung für eine erfolgreiche nachhaltige Nutzung einer Sportanlage sind zufriedene Besucher, eine durchdachte Sicherheitsstrategie und ein flexibler Business-Plan, der auch Organisatoren von Veranstaltungen ohne sportlichen Hintergrund Möglichkeiten bietet, Umsätze zu generieren.

 

Große Sport- und Veranstaltungsstätten als Motor von Stadtentwicklung und -erneuerung

Der erste Kongresstag wurde abgerundet durch eine Session zu Stadien und Arenen als Motoren einer gesunden Stadtentwicklung.

Durch die Session führte Prof. Geraint John, Leitender Berater bei Populous. Die Teilnehmer diskutierten, ob große Sport- und Veranstaltungsstätten effektiv in das urbane Umfeld integriert sind, ob die Infrastruktur eine gute Erreichbarkeit gewährleistet und ob neben der Eröffnung neuer Geschäfte, Hotels und Supermärkte auch der Wohnungsbau gefördert wird.

Robert J. Fatovic, Vizepräsident bei CannonDesign, präsentierte TD Place im Lansdowne Park in Kanada, eine Sportstätte, die 2017 mit einem IOC/IPC/IAKS Architekturpreis ausgezeichnet wurde. Das alte Stadion und sein ehrwürdiges Umfeld mussten modernisiert werden, wobei jedoch beim Umbau zu einer zeitgemäßen urbanen Sport- und Veranstaltungsstätte der historische Kontext berücksichtigt werden sollte. CannonDesign verwarf das Konzept eines Stadions als reine Sportstätte und entschied sich für ein multifunktionales Gebäude, das neben der sportlichen Nutzung auch als Veranstaltungsstätte für kulturelle Events dienen kann.

Bill Hanway, Geschäftsführender Vizepräsident bei AECOM, vermittelte Einblicke in die Masterpläne der Olympischen Spiele London 2012 und Rio 2016 und ergänzte diese durch erste Ausblicke auf die Spiele in Los Angeles im Jahr 2028. Während London den Übergang zum nacholympischen Modus beispielhaft umgesetzt hat, tut Rio sich schwer mit einigen wichtigen Maßnahmen zur Umsetzung der komplexen postolympischen Strategie. LA 2028 hat sich vorgenommen, die finanzielle Stabilität für die Olympische Bewegung über privat finanzierte Olympische Spiele zu gewährleisten.

Den Abschluss dieser Session bildete eine Präsentation von Tom Jones, Leitender Architekt bei Populous, der den Teilnehmern das neue Stadion von Tottenham Hotspur in London vorstellte. Das Stadion wird das Stadtviertel in ein Zentrum für unternehmerische Aktivität, Kultur und Bildung verwandeln. Durch Integration modernster Technik unter Wahrung des Unterhaltungskonzepts, das schon die alten Römer vor 2000 Jahren in ihren Arenen anwendeten, wird das Hotspur-Stadion den Zuschauern sportliche Höchstleistung in herausragender Qualität bei höchsten Sicherheitsstandards präsentieren.