IAKS Studienreise nach Kopenhagen im Mai 2018: Inspiration und Networking auf internationaler Ebene

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40 Architekten, kommunale Vertreter sowie IAKS-Vorstandsmitglieder erhielten am 24. und 25. Mai 2018 einzigartige Einblicke in die innovativen Sport- und Freizeitanlagen der dänischen Hauptstadt.

An jeder der zehn Stationen der Reise standen die Architekten und/oder Betreiber der jeweiligen Anlage mit Informationen aus erster Hand und Antworten auf technische Fragen zur Verfügung.

Die Studienreise wurde vor Ort von Ola Mattsson, Entwicklungsberater der Lokale Anlægsfonden (LOA), betreut. Die Stiftung entwickelt und unterstützt innovative Bauprojekte in den Bereichen Sport, Kultur und Freizeit und bietet Beratung in der Region.

Die internationalen Teilnehmer dieser hochkarätigen und inspirierenden Studienreise aus Argentinien, Österreich, Kanada, Georgien, Deutschland, Norwegen, Polen, Spanien, Schweden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich hatten beim Mittag- und Abendessen ausreichend Gelegenheit zum Netzwerken.

 

Seebad Kastrup

Der ehemalig vernachlässigte Strand im Kopenhagener Vorort Kastrup hat sich zu einem beliebten Freizeitziel entwickelt. Das Seebad Kastrup bildet einen lebendigen Teil der Uferpromenade und den perfekten Ort zum Schwimmen und Sonnenbaden. Das Projekt umfasst einen auf dem Wasser errichteten zentralen Baukörper, einen neu angelegten Strand und ein angrenzendes Service-Gebäude mit Toiletten und einer behindertengerechten Umkleide. Die einfache Idee eines Kais, wie sie in Seebädern häufig zu finden ist, wurde als geschützter Ort auf dem Wasser neu interpretiert. Der Baukörper wirkt dank seiner runden Form und Öffnung zum Strand einladend. Die Architekten wählten als Baustoff das afrikanische Hartholz Azobé, das sich durch Langlebigkeit und besondere Widerstandsfähigkeit gegen Verrottung, Vereisung und ständige Gezeitenbewegung auszeichnet. Über Rampen und andere Vorrichtungen erhalten auch Benutzer mit eingeschränkter Mobilität Zugang zur Anlage. Aus diesen Gründen wurde das Seebad Kastrup mit dem IOC IAKS Architekturpreis 2009 in Bronze und der IPC IAKS Auszeichnung 2009 prämiert.

Amager Bakke

Skifahren in Kopenhagen? Das geht ab Herbst 2018 an einem ungewöhnlichen Ort: Amager Bakke ist eine Müllverbrennungsanlage in Kopenhagen. Die Teilnehmer der IAKS Studienreise zählten zu einer der ersten Besuchergruppen, die diese fast fertiggestellte Anlage besichtigen konnten. Auf dem geneigten Dach locken eine künstliche Skipiste mit über 1.500 Metern Bürstenteppichbelag sowie eine Aussichtsplattform. In einem fast vollständig flachen Land wird die Müllverbrennungsanlage zudem eine 80 Meter hohe Kletterwand beherbergen. Da Laufen in Dänemark sehr beliebt ist, planen die Betreiber auch die Einrichtung einer Sprintstrecke hinauf zur Dachplattform mit integrierter Zeitmessung. Weniger ambitionierte Besucher erreichen die Aussichtsplattform per Aufzug oder Förderband. Auf den Skilift selbst entfällt die Hälfte der Kosten für die Stahlkonstruktion, die fest im Boden verankert werden muss. Die zunächst mit zehn Jahren veranschlagte Bauzeit liegt inzwischen bei 15 Jahren, wird jedoch bald abgeschlossen sein.

The Prism

The Prism ist eine multifunktionale Sporthalle für sportliche und kulturelle Aktivitäten mit einer innovativen Architektur. Sie befindet sich in einem benachteiligten Stadtteil und dient als Treffpunkt für Menschen aller Generationen und Herkunft. Diese ungewöhnliche Sporthalle verfolgt das Konzept eines „öffentlichen Parks in einem Gebäude“ als Ziel für die gesamte Familie. Die spielerisch gestaltete Halle bildet das Zentrum, um das sich die anderen Freizeitbereiche wie das Café mit gesunden Speisen zu günstigen Preisen, die Bibliothek und ein Handwerksraum gruppieren – in Anlehnung an das Konzept eines typischen dänischen Parks. Der Sport holt die Menschen an ihrem Wohnort ab. Zunächst stand die Anlage allen uneingeschränkt offen, im Zeitverlauf mussten die Nutzungsmodalitäten jedoch angepasst werden. Heute kann die Anlage von jedem frei genutzt werden, der sich für eine Aktivität angemeldet hat. Gemäß den Aussagen der Bezirksverwaltung ist The Prism ein voller Erfolg mit folgendem Nutzungsprofil: 60 % Nutzung durch Schulen und Vereine, 20 % für Sonderprogramme wie Wiedereingliederungsmaßnahmen und 20 % gewerbliche Nutzung (Raumvermietung).

Harbour Bath

Das Harbour Bath wird eher wie ein Strand und weniger wie ein Schwimmbad genutzt. Sehen und gesehen werden ist hier das Motto – etwas, das man sich für die oft übervollen städtischen Schwimmbäder wünschen würde. Das Harbour Bath kann kostenlos genutzt werden, in der Badesaison ab 1. Juni ist das Bad offiziell geöffnet. Schwimmen ist im gesamten Hafenbereich erlaubt, das Harbour Bath bietet jedoch die Möglichkeit für Sport und Spaß unter Aufsicht. Zudem werden hier kostenlose Schwimmkurse angeboten. Mit seinem Standort im Zentrum des Hafens hat sich das Harbour Bath zu einem Symbol für Freizeit- und Wasserkultur im Herzen der Stadt entwickelt. Es dient als eine Art Symbol für die neuen Möglichkeiten, die der umgestaltete Hafen für das moderne urbane Leben bietet und wurde mit der IPC IAKS Auszeichnung 2007 prämiert.

Kalvebod Waves

Das Freizeitareal Kalvebod Waves im Hafenbecken lädt mit seiner wellenförmigen Wegführung aus Holz und Beton zum Verweilen ein. Im Innenbereich befinden sich Einrichtungen für den Paddelbootsport, was der Anlage zusätzlich einen sportlichen Charakter verleiht, ebenso wie Möglichkeiten zum Schwimmen. Die am Ufer gebauten neuen Geschäftshäuser haben so einen neuen «Vorgarten» auf dem Wasser erhalten, der zwei Vorteile bietet: Die Anwohner haben einen attraktiven Treffpunkt auf ihrer Seite des Hafenbeckens, und von der anderen Seite bietet sich der Ausblick auf einen schönen Baukörper. Über die dreieckige Form von Kalvebod Waves werden die Sonnenlücken zwischen den Geschäftshäusern geschickt genutzt.

Streetmekka

Das dänische Wetter macht den Winter nicht zur idealen Zeit, um das Leben im Freien zu verbringen. Es mag paradox erscheinen, das pulsierende Leben der Straße in eine Halle zu verlagern, aber Streetmekka ist genau die richtige Lösung für eine aktive Bevölkerung. Die 2.200 m² große Halle für Basketball, Parkour, Tanz und Fußball ist ein multikulturelles Jugendhaus für die von Sport und Musik geprägte Straßenkultur der dänischen Hauptstadt. Die Außengestaltung imitiert das Umfeld, an das die oft aus sozial benachteiligten Verhältnissen stammenden Jugendlichen gewöhnt sind, um Hemmnisse abzubauen. Es wird eine kleine (oder sogar gar keine) Eintrittsgebühr verlangt für 28 Kurse pro Woche, die jedermann offenstehen. Im Rahmen eines sozialen Projekts werden Spielleiter ausgebildet: Diese jungen Menschen werden in ihrer Persönlichkeit gestärkt und können den Geist von Sport und körperlicher Aktivität in ihren Stadtvierteln verbreiten. Streetmekka in Kopenhagen wurde 2013 mit dem Sonderpreis der IOC IAKS Architekturpeise ausgezeichnet.

Gyngemosehallen

Die Gymnastikhalle befindet sich in einem Wohnquartier am Stadtrand und verfügt über Kunstturneinrichtungen, Kraftraum, Spielraum und Bewegungshalle. Sie steht den Nutzern von 5 bis 24 Uhr offen. Bemerkenswert ist das Konzept der Gyngemosehallen. Der Besucher erhält einen Nutzerausweis und ist eigenständig für den ordnungsgemäßen Gebrauch verantwortlich. Tagsüber steht die Anlage den Schulen zur Verfügung, danach wird sie von Tagesgästen und abends von Vereinen genutzt. Tagsüber erhalten die Schüler nach dem Unterricht ein leichtes Mittagessen und können dann in der Halle Dampf ablassen – und so quasi unbemerkt Sport treiben. Die Halle ist ein großer Erfolg. Einige Mitglieder nehmen sogar eine einstündige Anreise auf sich, andere haben es bis ins Nationalteam geschafft. Für die benachbarte Physiotherapiepraxis wäre eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wünschenswert.

Superkilen

Superkilen beschreibt einen kilometerlangen Stadtraum in einem stark multiethnisch geprägten Stadtviertel. Das Projekt spiegelt das multikulturelle Erbe der Bewohner wider und vereint alle in einer globalen Nachbarschaft. Der Park enthält über hundert verschiedene Elemente an Stadtmobiliar, Spielgeräten, Skulpturen und Beleuchtung aus den 62 Heimatländern der lokalen Bevölkerung. Die Architekten reisten gemeinsam mit einigen Kindern aus sozial benachteiligten Familien in ihre jeweiligen Herkunftsländer, um die Elemente im Rahmen eines „extrem benutzerzentrierten Ansatzes“ vor Ort auszuwählen und so entscheidend zur Identifikation der Anwohner mit dem Park beizutragen. Installiert wurden unter anderem Fitnessgeräte aus den USA, Tischtennisplatten aus Spanien, ein Boxring aus Thailand, eine Rutsche aus Russland, Schaukeln aus dem Irak und ein Klettergerüst aus Indien. Der Park ist Teil eines Plans zur Stadterneuerung, der von der Stadt Kopenhagen in Zusammenarbeit mit Realdania koordiniert wird. In der nahegelegenen Nørrebrohallen findet eine Vielzahl von Veranstaltungen für die Anwohner statt. Superkilen wurde mit dem IOC IAKS Architekturpreis 2013 in Gold ausgezeichnet.

Bewegungsraum auf dem Dach eines Parkhauses in Nordhavn

In 24 Metern Höhe befindet sich auf dem Dach eines siebenstöckigen Parkhauses ein Dachgarten mit Einrichtungen für verschiedene Arten von Outdoor-Sport und Aktivitäten für Erwachsene und Kinder – ein hervorragendes Beispiel für die Schaffung von Sport- und Bewegungsräumen im verdichteten urbanen Raum. Die Fläche bietet Platz für Crossfit, Laufen, Fußball und Trampolin und ist kostenlos zugänglich. Am Treppenaufgang wurde eine Zeitmessung für ambitionierte Besucher installiert. Von oben bietet sich ein weiter Blick auf das neue Stadtviertel. Der rote Handlauf geht in Kletterstangen und Klettergerüste über. Die Parkhausfassade wurde mit Portraits berühmter Persönlichkeiten des ehemaligen Industriebezirks versehen und so attraktiv gestaltet. Der Treppenaufgang könnte besser gekennzeichnet werden, damit noch mehr Besucher den Weg hinauf zu diesem Bewegungsraum finden.

Israels Plads

Die Geschichte des Israels Plads lässt den Wandel der Zeit in Kopenhagen erkennen: Der Platz war ehemals nahe der Stadtmauer gelegen, wurde später zu einem belebten Marktplatz – und schließlich ab den 1950er Jahren zu einem öden Parkplatz. 2014 wurde der Platz wiederbelebt. Er bietet Raum für alle Bevölkerungsgruppen, die sich dort gerne bewegen und aufhalten, und dient als Spielplatz für drei angrenzende Schulen. 5 Millionen Besucher pro Jahr genießen sowohl tagsüber als auch bis spät in den Abend hinein die Aufenthaltsqualität. Wie ein Teppich breitet sich der Platz aus – die Autos wurden „unter den Teppich gekehrt“ und parken nun im Tiefgeschoss. Eine pyramidenförmige Treppenkonstruktion überdacht den Ausgang der Tiefgarage. Die Pyramide dient als Aussichtspunkt über den weitläufigen Platz sowie die Bäume und Grünflächen des nahegelegenen Ørstedsparken auf der anderen Seite.

Streethallen in Ørestad

Die Halle ist offen für das Gemeinschaftsleben. Anwohner und Vereine können die Räumlichkeiten zu bestimmten Zeiten für spontane sportliche Aktivität nutzen. Streethallen ist eine unbeaufsichtigte Halle und 24 Stunden geöffnet; alle Aktivitäten werden von den Nutzern der Halle eigenständig organisiert und geregelt. Die Möglichkeiten reichen von Fußball, Basketball und Handball bis zu Pilates, Tanz, Tischtennis und Babygymnastik. Der Zugang zu den Kursräumen erfolgt über einen Zugangscode für registrierte Benutzer. Als unbeheizter Raum ist Streethallen eher ein „überdachter Spielplatz“ als eine Halle im eigentlichen Sinn. An manchen Tagen sind die klimatischen Bedingungen aufgrund übermäßiger Kondenswasserbildung ungünstig.

Ausblick

Die Vielfalt der während der IAKS Studienreise besuchten Anlagen spiegelt das Innovationpotenzial jenseits der Einschränkungen klassischer Sporteinrichtungen wider. Die Teilnehmer nutzten die Studienreise als Quelle der Inspiration, als einzigartige Chance für einen Gedankenaustausch mit den Architekten und Betreibern der besuchten Anlagen sowie als Gelegenheit zum Netzwerken auf internationaler Ebene. Die exklusiv für IAKS Mitglieder organisierte IAKS Studienreise war eine einzigartige Erfahrung. Die nächste IAKS Studienreise ist bereits in Planung!