Arena du Pays d’Aix von Auer Weber Architekten

publiziert in sb 5/2018

Höhenschichten

Mit der im September 2017 eröffneten Arena du Pays d’Aix gelingt den Architekten Auer Weber in Zusammenarbeit mit Christophe Gulizzi die Eingliederung in die umgebende Topografie: Die metallischen Bänder der Fassade liegen wie Höhenschichten übereinander und fassen die beiden Hallen in einer dynamischen Großform zusammen. Das modulare Prinzip der Arena, des „Chaudron“, erlaubt eine flexible Nutzung: Die Halle bietet je nach Konfiguration 6.000 bis 8.500 Plätze.

Die Arena liegt an einem Autobahnknotenpunkt, südwestlich von Aix-en-Provence. Sie ist Spielstätte für den Handballclub und Erstligisten „Pays d‘Aix Université Club“. Auf den ersten Blick weist die Arena keine Vorder- und Rückseite auf, sondern präsentiert sich umlaufend in gleicher gestalterischer Qualität; die präsente und zugleich zurückhaltende Gebäudefigur gliedert sich in die umgebende Topografie ein.

Bänder der Fassade erzeugen Dynamik

Die metallischen Bänder der Fassade liegen wie Höhenschichten übereinander und fassen die beiden Hallen – die große Veranstaltungshalle, mit einer Kapazität von 8.500 sowie die Nebenhalle mit 2.000 Zuschauern – in einer dynamischen Großform zusammen. Versetzt und gleichsam unabhängig voneinander, schweben die hellen Bänder über einer transparenten Erdgeschosszone, die der Gesamterscheinung zusätzlich Leichtigkeit verleiht.  

Durch geometrische Modifikationen reagiert die Fassade auf die Bedingungen des Ortes: Richtung Vorplatz sind die Ringe horizontal sehr viel stärker verschoben als an den übrigen Seiten, so dass hier eine markante Auskragung entsteht. Über dem Eingangsbereich erreicht sie 12 Meter, empfängt mit einladender Geste den Besucher und bietet Schutz vor Sonne und Regen. Die Bänder aus hell beschichteten Aluminiumpaneelen erscheinen durch Versatz und Schattenspiel als sich dynamisch überlagernde, eigenständige Elemente. Ihre Untersichten werden abends beleuchtet und verschieben damit auch in der Lichtwirkung den Schwerpunkt der Arena in Richtung des Vorplatzes.

Architektur stellt Sport in den Vordergrund

Ein reduzierter Farb- und Materialkanon prägt nicht nur die Hallen, sondern auch die gebäudehohen ­Fo­yerbereiche, die in Sichtbeton und den Farben Schwarz und Weiß gehalten sind. Die Architektur tritt in den Hintergrund und überlässt den Veranstaltungen, dem Sport die Hauptrolle. Sportveranstaltungen werden nun um hochkarätige Events und spektakuläre Shows ergänzt. Ein auf eine derartige Veranstaltungsbreite ausgelegtes Gebäude muss eben dieses Konzept verkörpern. Eine Arena ist ein modernes Theater, ein Bindeglied zwischen Sport und Kultur, und sollte folglich einen spannenden und emotionalen architektonischen Geist versprühen. Vor diesem Hintergrund wurde das Konzept einer herkömmlichen Fassade ersetzt durch dynamische Bänder, die wie Höhenschichten übereinander liegen. Sie stehen für Bewegung und Dynamik, für eine Hommage an die Virtuosität, für das perfekte Gleichgewicht, für die Suche nach der perfekten Geste.

Die mit Aluminium verkleideten Fassadenringe reflektieren die Landschaft und verändern sich im Tagesverlauf. Die Fassade verschmilzt förmlich mit ihrer Umgebung und betont zugleich sanft die Gebäudeform und den Status der Arena als öffentliches Gebäude, als weit offene Plattform, als wahrhaft öffentlicher Ort.

Multifunktional und rentabel

Das modulare Prinzip, wie die flexiblen Tribünenanlagen in beiden Hallen, macht die Arena multifunktional und rentabel. Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten (allen voran Handball, Eishockey, Tennis, Boxen, Konzerte und Messen) und die Anpassungsfähigkeit der Anlage an sich verändernde gesellschaftliche Verhältnisse und Erwartungen führen, ebenso wie die minimierte Materialwahl und Gebäudegliederung, zu einem nachhaltigen Projektergebnis. Des Weiteren trugen eine kurze Planungs- und Bauzeit sowie eine kostengünstige Ausführung und zugleich sorgfältig entwickelte Details zu einem reduzierten Ressourceneinsatz bei.

Die Arena ist von weitem sichtbar und bildet mit ihrer besonderen Identität eine Landmarke und ein Wahrzeichen. Sie liegt im Zentrum einer räumlichen Neuordnung und trägt mit ihrem funktionalen, anpassungsfähigen und skalierbaren Gebäudekörper zur Aufwertung des Großraums Aix-Marseille-Provence bei.