Bambus-Sporthalle in Chiang Mai von ­Chiangmai Life Architects

publiziert in sb 1/2018

CO2-Fußabdruck = Null

Die Bambus-Sporthalle der Panyaden International School nach einem Entwurf von ­Chiangmai Life Architects verbindet modernes Ökodesign mit Ingenieurskunst des 21. Jahrhunderts und dem natürlichen Baustoff Bambus. Grundlage für den Planungsentwurf war die Lotusblume, befindet sich die Panyaden International School doch in Thailand und nutzt die buddhistische Lehre für einen wertebasierten Lehrplan, um ihren Schülern die Grundlagen des menschlichen Denkens zu vermitteln. 

Aufgabe war der Bau einer Halle, die groß genug sein sollte, um die vorgesehene Anzahl von 300 Schülern aufzunehmen, und sich zugleich elegant in die vorhandenen Erd- und Bambusbauten der Schule sowie die sanft gewellte Hügellandschaft der Umgebung einfügt. Sie sollte moderne Sportanlagen vorhalten und als einzigen Baustoff Bambus verwenden, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren und der „Green School“-Mission von Panyaden gerecht zu werden.

Die Halle umfasst eine Fläche von 782 m2 und beherbergt Fußball-, Basketball-, Volleyball- und Badmintonfelder sowie eine mechanisch versenkbare Bühne. Die Rückwand der Bühne bildet die Vorderwand eines Lagerraums für Sport- und Theaterausrüstung. An den beiden Längsseiten können Eltern und andere Besucher von der Empore aus Sportveranstaltungen oder Aufführungen mitverfolgen.

Natürliche Belüftung

Layout und Baustoffe sorgen ganzjährig für ein angenehm kühles Klima dank natürlicher Isolierung und Belüftung. Die sichtbare Bambuskon­struktion ist ein Fest für die Sinne und Demon­stration meisterhafter Handwerkskunst zugleich.

Die Halle wurde mithilfe zweier unabhängiger Ingenieure nach modernen Sicherheitsstandards geplant, zum Beispiel unter Berücksichtigung von Zug- und Scherkräften, um den örtlichen Witterungsbedingungen mit starken Winden, Erdbeben und anderen Naturgewalten standzuhalten. Das innovative Tragwerk basiert auf neu entwickelten, vorgefertigten Bambusträgern mit einer Spannweite von über 17 Metern ohne Stahlverstärkungen oder -verbindungen. Die Vorfertigung erfolgte vor Ort, anschließend wurden die Träger mit einem Kran in Position gebracht.

Lebensdauer: 50 Jahre

Der CO2-Fußabdruck der Sporthalle von Panyaden ist gleich Null. Schließlich hat der verwendete Bambus weitaus mehr Kohlenstoff aufgenommen als für Aufbereitung, Transport und Bau emittiert wurde. Der Bambus wurde sorgsam nach Alter ausgewählt und mit Boraxsalzen ohne Einsatz toxischer Chemikalien behandelt. Die Lebensdauer der Bambushalle soll mindestens 50 Jahre betragen.

Chiangmai Life Architects sind der Überzeugung, dass modernstes bautechnisches Know-how essenziell ist, um den Einsatz natürlicher Baustoffe insbesondere auch bei Architektur von größerem Format salonfähig zu machen. Die Planer sind der Meinung, dass natürliche Ressourcen weniger Akzeptanz als Baustoff für die breite Masse finden, weil ihnen gemeinhin das Bild eines antiquierten oder „Arme-Leute“-Materials anhaftet. Die nur begrenzte Verwendung solcher Baustoffe liegt nach Ansicht der Planer damit wohl eher in mangelndem Wissen der Planer und Konstrukteure begründet denn in den Materialeigenschaften. Natürliche Baustoffe bergen demnach ein hohes Potenzial.