Domino Park in New York City von James Corner Field Operations

publiziert in sb 4/2018

Zucker ohne Reue

Domino Park am Wasser in Brooklyn, New York City

New Yorks neuestes Naherholungsgebiet in Flusslage am Standort der ehemaligen Domino Zuckerfabrik bietet den Anwohnern von North Brooklyn ausreichend Raum für die Freizeitgestaltung. Die Landschaftsarchitekten von James Corner Field Operations, bereits verantwortlich für die Umgestaltung der High Line, entwarfen den Domino Park als einzigartigen öffentlichen Park nördlich der Williamsburg Bridge. Sie gestalteten ihn als Hommage an die Geschichte eines der symbolträchtigsten Industriestandorte am East River in New York.

 

 

Restaurierte Anlagenteile und Elemente aus der Zeit der industriellen Nutzung als Zuckerraffinerie wurden auf dem Gelände verteilt installiert, um an die Geschichte des Zuckerhandels in New York und den Prozess der Zuckerraffination zu erinnern, der diesen Ort mehr als einhundert Jahre lang prägte. Die Domino Zuckerfa­brik wurde 1856 am Flussufer von Williamsburg errichtet und war eine der größten Zuckerfabriken der Welt. Nach ihrer Schließung im Jahr 2004 blieb der Standort zunächst ungenutzt. Gleichzeitig wurden die Sanierung und Umgestaltung von der Stadt, Interessengruppen und dem Entwicklungsteam erörtert. Die Umnutzung der denkmalgeschützten Raffinerieanlage umfasst vier neue Wohngebäude mit gemischter Nutzung, unter anderem mit 700 Sozialwohnungen. Insgesamt wurden 50 Millionen US-Dollar in den privat finanzierten öffentlichen Park investiert.

Der Domino Park wurde in drei programmatische Bereiche unterteilt, die von einer aktiveren Nutzung nahe der Williamsburg Bridge am Südende der Anlage bis hin zu passiveren Nutzungsformen am Nordende reichen.

Artefaktenpfad

Entlang des über fünf Blocks verlaufenden Artefaktenpfads am Nordende des Parks präsentieren sich den Parkbesuchern an der Uferlinie mehr als 30 großformatige, handverlesene Teile der ehemaligen Fabrikanlage und erinnern an die Geschichte des 4,5 Hektar großen Indus­trieareals mit der denkmalgeschützten Raffinerie. Der Pfad umfasst auch 21 Säulen des Rohzuckerlagers und rund 180 Meter Krangleise des Fabrikstandorts, die in den Park eingebunden wurden. Hinzu kommen vier zylinderförmige Tanks von 11 Metern Höhe, in denen im Raffinationsprozess Sirup aufgefangen wurde, diverse Anker­poller, Kübelaufzüge sowie mehrere Skalen und Mess­vor­richtungen der Fabrik mit Originalbeschriftung.

 

Uferpromenade und Entspannungszone

Die 366 Meter lange Uferpromenade beschert den Spaziergängern entlang des East River eine wunderbare Aussicht auf die Skyline von Manhattan und die Williamsburg Bridge. Am Nordende des Domino Park befindet sich die Entspannungszone mit einem japanischen Piniengarten am Eingang, einem für 100 Personen ausgelegten Picknickareal, Imbiss, Kinderspielplatz (gestaltet als Mini-Raffinerie), Liegewiese und urbaner Strandzone mit Rasenfläche inklusive schattenspendenden Bäumen und Sonnenliegen.

Platz des Wassers: Ort der Zusammenkunft

Flankiert von Entspannungszone und aktivem Erholungsbereich gliedert sich der Platz des Wassers in fünf separate Treffpunkte, darunter ein vierfach abgestufter Sitzbereich mit einer weiten Aussicht auf den East River auf der einen und die alte Zuckerfabrik auf der anderen Seite. Im Zentrum befindet sich das anlassbezogen programmierbare Wasserspiel, dem der Platz seinen Namen verdankt. Direkt am Ufer wurde ein abgesenkter Bereich angelegt, wiederum mit Stufen, auf denen man sitzen und den Ausblick auf das Wasser genießen kann. Am Rande des Platz des Wassers wurden vier Siruptanks aus der ehemaligen Fabrik als „Siruptank-Garten“ gestaltet in den Boden eingelassen.

Sweetwater Playground

Der Spielplatz ist eine Hommage an die Zuckerfabrik und die Geschichte der Zuckerindustrie und lässt die kleinen Besucher das Verfahren der Zuckerraffination im Miniaturformat nachvollziehen. Auch junggebliebene Spielplatzbesucher können über Rampen, Tunnel und Röhren klettern, Förderbänder und Rutschen bezwingen und dabei die Aussicht auf das historische Gelände, die Williamsburg Bridge und die Skyline von Manhattan genießen. Von der Zuckerrohrhütte über das Süßwassersilo bis hin zur Zuckerzentrifuge durchlaufen die Kids in einer einzigartigen Spiellandschaft den Weg vom Zuckerrohr zum fertig raffinierten Rohzucker.

Lebhafte Gelb-, Türkis- und Grüntöne in Kombination mit gebürstetem Metall sind der Farbpalette der ursprünglichen Fabrik nachempfunden und stehen im Einklang zu den im Park verteilten erhaltenen Anlagenteilen. Für die Fassade der erhöht angelegten Hütte wurde Holz aus dem Fußboden der Fabrik verwendet, nebst ebenfalls aus Fabrikelementen gegossenen Ventilrädern in leuchtenden Farben. Die drei Hauptspielelemente in Kombination mit Edelstahlrutschen, Klettergerüsten und Brücken bilden eine Mini-Fabrik und lassen das industrielle Erbe des Ortes mitsamt der Komplexität seiner Architektur und Infrastruktur lebendig werden.

 

Aktive Erholung und Domino-Platz

Im aktiven Erholungsbereich wurden verschiedene interaktive Areale für die Besucher angelegt, unter anderem eine 160 m² große Hundelauffläche, zwei Boccia-Bahnen, ein Spielfeld (570 m²) für verschiedenste Sportarten sowie ein Beachvolleyballfeld in Standardgröße. Der Domino-Platz soll als weiterer großflächiger Treffpunkt mit verschiedenen Funktionsbereichen und saisonaler Nutzung angelegt und gemeinsam mit der Restauration der Raffinerie fertiggestellt werden.

Uferschutz

Der Park und die offenen Flächen wurden nach Gesichtspunkten des Uferschutzes geplant. Dazu gehört unter anderem, dass die Plattform 2 bis 2,10 Meter oberhalb der neuen Hochwasserschutzkante angelegt wurde, um den Park vor Überflutung zu schützen. Überdies leistet ein nachhaltiger Pflanzenmix aus knapp 175 Bäumen einen Beitrag zum Uferschutz für den Park.