Freizeitanlage Great Plains für Eissport in Calgary von MJMA

publiziert in sb 1/2019

Umgekehrte Geometrie

Die Freizeitanlage Great Plains wurde für die eissportbegeisterte Bevölkerung der Stadt konzipiert und umfasst zwei Mehrzweckeisflächen für Eishockey, Schlittenhockey, Ringette und Eiskunstlauf. Das Architekturbüro MJMA hat eine zukünftige Erweiterung der Anlage bereits eingeplant und hierzu eine „umgekehrte“ und „gespiegelte“ Geometrie entwickelt, mit welcher der Grundriss als vierschenkeliger Komplex komplettiert werden kann.

Die neue Freizeitanlagenstrategie der Stadt Calgary (Recreation Master Plan 2010-2020) sieht die Entwicklung von Anlagen vor, die barrierefreie Freizeitmöglichkeiten bieten und für eine Vielzahl verschiedener Sportarten auf allen Leistungsstufen geeignet sind. Die Eissportanlage bietet auf beheizten und unbeheizten Sitzplätzen Raum für bis zu 600 Zuschauer. Zu den Einrichtungen zählen zwei Mehrzweckeisflächen, Zuschauerplätze, Räume verschiedener Größe zur Nutzung als Studios, Seminar- und Konferenzräume, gastronomische Einrichtungen, ein Pro-Shop, Umkleiden und Personalräume, Trocken-Trainingsflächen und Büroräume.

Kontext/Standortkonzept

Die Freizeitanlage Great Plains liegt am östlichen Stadtrand und fungiert als Motor für die architektonische und soziale Entwicklung des hier befindlichen Industriegebiets. Das Gebäude setzt neue Maßstäbe für die architektonische Gestaltung dieser Zone und dient als Modell für zukünftige Entwicklungsprojekte. Der Standort wird von großen Leichtindustriegebäuden dominiert. Der Gebäudekörper wurde mit Blick auf das natürliche Regenwassermanagement geplant und in das Landschaftsprofil eingelassen. Die Fassadenflächen sind vielschichtig strukturiert: Der gewählte Farb- und Materialverlauf von Schwarz über Zink bis hin zu Weiß mit Glasflächen lässt den Baukörper von unten nach oben zunehmend mit dem Himmel verschmelzen.

Planungskonzept

Der gedrehte sechseckige Grundriss wurde an die Standortgegebenheiten angepasst. In den Randbereichen des Gebäudes wurden Umkleiden, Technik- und Verwaltungsbereiche angeordnet. Die höheren Gebäudeteile sind als einfach hexagonale Form zu einer Halle verbunden, in der die Technik­räume abgetrennt integriert wurden. Die natürliche Belichtung erfolgt über Fensterbänder an der oberen Süd- und Nordfassade sowie zentral angeordnete Oberlichter. Ein vorspringender Teil in leuchtendem Orange dient als Eingangsbereich und spielt mit dem Bild des Sonnenuntergangs im Westen. Innenbeleuchtete orangefarbene HDPE-Panels umrahmen die Eingänge zu den beiden Umkleiden. Ein architektonisches Farbkonzept kommt als Besucherleitsystem und ausdrucksstarke Gebäudeinterpretation zum Einsatz.

Neudefinition des öffentlichen Raums

Mit dieser Anlage wird die typische Planung einer der lebendigsten, jedoch in ihrer Bedeutung unterschätzten kommunalen Freizeiteinrichtung der Stadt umgekehrt, um einen wahrhaft öffentlichen Raum zu schaffen. Freizeitanlagen sind öffentliche Anlagen, die die Gesundheit der Gemeinschaft unterstützen. Gleichzeitig sollten sie jedoch auch die soziale Teilhabe nachhaltig fördern. In einer typischen Arena liegen die Teamräume im Zentrum, während die Zuschauerplätze sich darüber oder am Rand befinden und die Flächen für das soziale Miteinander oft verteilt und unzusammenhängend angeordnet sind. Durch Verlagerung der Umkleiden in die Randbereiche des Gebäudes entsteht ein zentraler Treffpunkt im „Herzen“ der Anlage. Die teils beheizten, teils unbeheizten Zuschauerplätze schaffen „Raum“ für soziale Interaktion.  

Zukunftssicher

Nach Analyse des Freizeitbedarfs der Stadt wurde eine Doppeleisfläche eingerichtet, die in der Zukunft bei Bedarf erweitert werden kann. Hierzu mussten Standort und Gebäude entsprechend angepasst werden. Die Erweiterung kann über eine „umgekehrte“ und „gespiegelte“ Geometrie erfolgen, um den Grundriss als vierschenkeligen Komplex zu komplettieren und einen zweiten Eingangsbereich zu schaffen. Im Innenraum ist eine zentrale Lobby rund um einen erhöht angeordneten Restaurantbereich angedacht. Die Anlage hat zwar einen privaten Betreiber, ist aber Eigentum der Stadt mit festen öffentlichen Eislaufzeiten. Die Architekten arbeiteten eng mit der Betreibergesellschaft CanLan Ice Sports zusammen, um die Instandhaltungsfähigkeit, operative Effizienz und wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Eisanlage sicherzustellen.

Nachhaltigkeit

Die Stadt Calgary plant eine LEED Gold-Zertifizierung der Anlage. Bei der landschaftsplanerischen Gestaltung setzten die Architekten auf eine Hybridlösung aus Regenwassermanagement-Strategien und einer Bepflanzung, die zum Regenwasserschutz beiträgt und die Vorgaben der Stadt übertrifft. Besonderes Augenmerk lag auf einer Senkung des Wasserverbrauchs und der Regenwasserrückgewinnung. Als großer Energieverbraucher steht bei dieser Eisanlage aus technischer Sicht die Wärmerückgewinnung im Vordergrund. Zu den hier eingesetzten Technologien zählen eine Vorerwärmung des Wassers, Hydronik-Unterbodenheizsystem, Eisschmelzsystem und Luftvorerwärmung. Das ganzheitliche Planungskonzept der Anlage umfasst neben den üblichen Nachhaltigkeitsstrategien der Stadt Calgary Ladestationen für Elektrofahrzeuge, Carsharing-Stationen und überdachte Fahrradparkplätze.