Sanierung des Stadtbad Oderberger in Berlin von cpm Architekten

publiziert in sb 6/2017

Tanz auf dem Wasser

Nach 30 Jahren Leerstand wurde der Badebetrieb im Stadtbad Oderberger wieder aufgenommen. Das Gebäude der ehemaligen ‚Volksbadeanstalt‘ von 1902 beherbergt nun das ‚Hotel Oderberger Berlin‘ mit Hotelzimmern und Seminarräumen. Das von cpm Architekten revitalisierte Schwimmbad gilt mit seinem Hubboden als außergewöhnlicher Veranstaltungsort.

Bis 1986 wurde das Gebäude als Bad genutzt und dann aufgrund schwerer Schäden im Bereich des Beckenbodens geschlossen. Das Gebäude der benachbarten ehemaligen Oberschule wurde bereits 2005 von einer internationalen Sprachenschule erworben und denkmalgerecht saniert. Durch die Integration des Stadtbads nach 30 Jahren Leerstand wird eine ursprünglich bestehende Verbindung wiederhergestellt: Das Gelände des Campus an der Kastanienallee und das Stadtbad an der Oderberger Straße wurden ursprünglich gemeinsam vom Architekten Ludwig Hoffmann konzipiert und stellten eine Einheit dar.

Von 2012 bis 2015 wurde das circa 8.600 Qua­dratmeter große Gebäude durch cpm Architekten revitalisiert. Ziel war es, die historische Bausubstanz nachhaltig zu sichern und in ihrer historischen Erscheinung und Farbgebung wiederherzustellen. Für die moderne TGA und Brandschutzausrüstung notwendige technische Einbauten wurden möglichst in den bestehenden Nebenräumen und Gewölben untergebracht und hinter historischen Bauteilen positioniert. Zusätzliche Brandschutztüren und für die akustischen Anforderungen notwendige Einbauten sind als neuzeitlich erkennbar gestaltet.

Die in den Obergeschossen gelegenen Badekabinen hatten Trennwände aus beidseitig glasierten Hohlsteinen. Diese wurden beim Umbau in Seminarräume erhalten beziehungsweise als Wandstummel mit Stahlabschlüssen verkleidet, so dass heute noch die fest eingelassenen Seifenschalen und die ursprüngliche Raumstruktur erkennbar sind. Die originalen Holztüren mit dem typisch dunkelgrünen Anstrich und Lüftungslamellen sind hinter Glas erhalten geblieben, der Zugang zu den Räumen erfolgt über als neuzeitliche Ergänzung erkennbare Glastüren. Überschüssige Holztüren wurden in den Hotelzimmern als Badtüren eingesetzt, nachdem sie mit Holzrahmen und Glasverkleidung funktional gemacht wurden.

Schwimmbecken mit lebendigem Farbspiel

Das Schwimmbecken wurde mit seinen originalen Randsteinen aus Granit erhalten und hat die seinerzeit übliche Hohlkehlrinne in der aufgehenden Beckenwand. Ein traditioneller keramischer Belag mit lebendigem Farbspiel kleidete ehemals das Becken der Volksbadeanstalt aus. Um dem ursprünglichen Erscheinungsbild möglichst nahe zu kommen, wurden bei der Sanierung Keramikplatten in verschiedenen Blau- und Grüntönen gemischt. Das umfangreiche Schwimmbadprogramm von Gail Architektur-Keramik bot dazu eine reiche Auswahl.
Für das Becken wählten die Architekten rechteckige Formate, die mit 10 mm breiter Fuge verlegt wurden. Auch für die tiefliegenden Rinnen nach historischem Vorbild wurden passende Formsteine angefertigt. Dasselbe gilt für die Radialsteine, die scharfe Kanten vermeiden. Die Treppen, die ins Becken führen, erhielten rutschhemmende Rillenplatten mit türkisfarbener Sicherheitsmarkierung. Sie wurden passend zum umgebenden Belag in Sonderanfertigung hergestellt. Den Beckenumgang zieren quadratische Steinzeugplatten. Hohlkehlsockel in gleicher Länge sorgen für ein harmonisches Bild im Fugenschnitt.

 

Hubboden ermöglicht Eventlocation

Die Schwimmhalle wird als Eventlocation genutzt. In der Schwimmhalle kann nach 30 Jahren wieder geschwommen, aber auch auf dem Wasser getanzt werden. Durch einen speziellen Hubboden, der bei Bedarf bis auf das Niveau der Beckenumrandung hochgefahren wird, kann die kathedralenhafte Haupthalle für Feierlichkeiten aller Art genutzt werden, ohne das große Wasservolumen abzulassen.