"sb" 2/2015: Die Kathedrale - San Mamés Stadium in Bilbao

Der Athletic Club Bilbao gehört zu den großen Fußballclubs in Europa. Sein ehemaliges, über einhundert Jahre altes Stadion war legendär und wurde als „Kathedrale des Fußballs“ bezeichnet.

Der Standort der neuen Arena deckt sich fast mit dem des alten San-Mamés-Stadions. Aufgrund dieser Überlappung musste der Bau in zwei Phasen abgewickelt werden, um der Mannschaft auch während der Bauphase eine adäquate Spielstätte bieten zu können.

Das neue San-Mamés-Stadion mit 53.000 Zuschauerplätzen (bei Fertigstellung zur Saison 2014-15) erfüllt die hohen Anforderungen an Elitestadien der UEFA-Kategorie 4. Zu den größten Herausforderungen bei der Planung des neuen Stadions zählte der Erhalt der intensiven und magischen Fußballatmosphäre des Vorgängers. Inzwischen bescheinigt die Fangemeinde des Traditionsvereins, die als eine der leidenschaftlichsten der Welt gilt, den Planern, dass der Neubau diesem Anspruch absolut gerecht wird.

Der privilegierte Standort am Stadtrand von Bilbao mit traumhaftem Blick über die Flussmündung macht das Gebäude zu einem architektonischen Projekt, das vor Selbstbewusstsein und Modernität strotzen darf, sich aber dennoch respektvoll in das urbane Umfeld einfügen muss. Aus diesen Überlegungen entwickelte sich eine erste konzeptionelle Vorstellung. Das fertige Stadion soll als städtisches Gebäude unter anderen wahrgenommen werden und nicht als isolierte Sportstätte.

Bereiche, die im Stadionbau traditionell als „tot“ gelten, sollen aufgewertet werden. Hierbei handelt es sich primär um die Verkehrsflächen, die dem Betreten und Verlassen der Tribünen dienen und sich zwischen äußerer Stadionbegrenzung und Tribünenrückseite befinden. Dabei gehören gerade diese Areale zu den wichtigsten eines Fußballstadions. Diese Bereiche erfahren eine Aufwertung durch spezielle räumliche Gestaltung und die Herstellung einer sehr intensiven Beziehung zur Stadt im Allgemeinen und zum lokalen Umfeld im Besonderen. Zu diesem Zweck wurde für das neue San-Mamés-Stadion als charakteristisches Merkmal eine ebenso aufwändige wie ungewöhnliche Fassade aus gedrehten ETFE-Folienelementen entwickelt, die der Gebäudeansicht Energie und Einheit verleihen. Nachts werden die Elemente angestrahlt, sodass ein weithin sichtbarer Blickfang entsteht, der dank eines der modernsten dynamischen Beleuchtungssysteme der Welt ein völlig neues Bild von Bilbao nach außen transportiert. Alle Tribünen sind überdacht. Die Dachkonstruktion besteht aus massiven, zur Spielfeldmitte hin ausgerichteten und mit weißen ETFE-Folienkissen verkleideten Stahlträgern. Die Tribünen sind optimal zum Spielfeld hin ausgerichtet und ermöglichen den Zuschauern, maximalen Druck auf das Geschehen auf dem Spielfeld auszuüben, ganz so, wie die Fans es vom alten Stadion gewohnt waren, das auch als „Druckkessel“ bezeichnet wurde.

Der Stadioninnenraum wurde getreu den Kernelementen entwickelt, denen das alte San-Mamés-Stadion seine Einzigartigkeit verdankte. So wurden die Spielfeldmaße von 105 x 68 Metern ebenso beibehalten wie der gemäß internationalem Reglement gerade noch zulässige Mindestabstand zwischen Spielfeld und erster Tribünenreihe. Das Spielfeld des neuen Stadions wurde etwa 7,80 Meter tief in den Boden eingelassen, um die Gesamthöhe des Gebäudes zu verringern und einen barrierefreien Zugang zu den unteren Rängen zu schaffen. Hinzu kommt eine Verkehrsfläche für Fußgänger, die um das gesamte Stadion herumführt und an spielfreien Tagen als weitläufiger öffentlicher Raum genutzt werden kann.

Die Zuschauertribünen sorgen für eine maximale Nähe der Fans zum Geschehen auf dem Spielfeld. Hauptanliegen bei der Konzeption der beiden Haupttribünen und der Dachkonstruktion war es, den „Druck“ der Zuschauer auf das Team zu maximieren, um die für San Mamés so charakteristische intensive Atmosphäre zu erhalten. Zu diesem Zweck wurden die Tribünen sehr steil angelegt und die Hauptelemente der Dachkonstruktion radial zum Spielfeld ausgerichtet. Zwischen den beiden Haupttribünen befindet sich ein kleinerer Bereich, in dem eine Bühne und die VIP-Logen untergebracht sind.

Darüber hinaus sind in dem Gebäudekomplex Geschäfte, ein Museum, ein Restaurant, ein Café, Veranstaltungs- und Konferenzräume untergebracht.