Streetsport- und Kulturzentrum Streetmekka in Viborg von Effekt

publiziert in sb 6/2018

Reinkommen und Spaß haben

Streetmekka ist eine neue Kultur-Location mit einer breiten Vielfalt an Einrichtungen für selbstorganisierte Sportarten wie Parkour, Skaten, Bouldern, Basketball oder Trial. Das Zen­trum bietet daneben eine Reihe von individualisierten Atelierbereichen für Musik­produktion und DJ-Arbeit, ein Animationsstudio, ein Kreativlabor, verschiedene Künstlerstudios sowie Holz- und Metallwerkstätten. Das Architekturbüro Effekt verwandelte eine ehemalige Windmühlenfabrik in einen sprudelnden Treffpunkt für Streetsport und ­Jugendkultur.

Treffpunkte und informelle Versammlungsbereiche befinden sich im gesamten Gebäude verteilt, strategisch verwoben mit den primären Funktionsbereichen unter der Annahme, dass die Schwelle zur aktiven Teilhabe mit der Nähe zu den Aktivitäten sinkt.

Neues Leben für alte Industrieanlagen

Das ursprüngliche Gebäude diente einst als Windmühlenfabrik und ist ein typisches Beispiel für die zahlreichen Lager- oder Fabrikbauten aus der Ära der Massenproduktion Ende der 1960er und 1970er Jahre, wie sie in fast jedem Gewerbegebiet in Stadtrandlage in der westlichen Welt zu finden sind. Diesen aus Fertigbetonplatten oder Wellblech erbauten Zeugen des Industriezeitalters wird gemeinhin kein besonderer historischer, kultureller oder architektonischer Wert beigemessen.

Anstatt des üblichen Abrisses des alten Gebäudes wollte Effekt herausfinden, wie sich ein solcher wenig geschätzter und vorwiegend nach innen gerichteter Gebäudetypus mit sehr begrenztem Budget qualitativ hochwertig umnutzen und neu gestalten lassen konnte.  

Da im Zuge der Stadtentwicklung viele ehemalige Industriestandorte zunehmend Teil des Stadtgefüges werden, lässt sich dieser Ansatz replizieren und kann so den Weg bereiten für die Neubelebung vieler anderer vernachlässigter Gebäude, die langsam verfallen oder gar abgerissen werden sollen. Neue Stadtteile können von diesen industriellen Erbstücken profitieren, um Identität und Atmosphäre zu entwickeln.

Individualisierte und selbstorganisierte Alternativen

Das funktionale Ziel von Streetmekka besteht in der Schaffung einer Reihe von Funktionsbereichen für Sport, Kultur und Gesellschaft in einem hoch verdichteten Arrangement aus verschiedensten Angeboten. Bedient werden soll damit der zunehmende Bedarf an selbstorganisierten, individualisierten Alternativen zu etablierten Vereinssportarten und kulturellen Aktivitäten.

Das Kulturzentrum wird betrieben von Game. Die Organisation möchte die Jugend vor Ort ansprechen und durch Street-Sportarten und -Kultur einen nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel herbeiführen, der Integration fördert und die Jugendlichen auf ihrem Weg bestärkt.

Entwicklung neuer Communitys

Das neue Streetmekka 2.0 bietet für jeden etwas. Mitmachen, kreativ sein, abhängen oder einfach nur zuschauen – es gibt für alles und jeden den richtigen Platz. Die Idee der Integration derart vieler verschiedener Aktivitäten unter einem Dach gründet auf der Überlegung, dass aus der Koexistenz neue Synergien und neue soziale Bindungen entstehen. Zudem begegnen den Besuchern damit neue Arten der Beschäftigung, die ihnen vielleicht so gar nicht bekannt waren und sie zu zukünftigem Engagement inspirieren.

In den Kreativ- und Atelierbereichen haben die Nutzer die Möglichkeit, das Zentrum kontinuierlich weiterzuentwickeln und immer wieder neu zu konfigurieren. Streetmekka Viborg ist weder in programmatischer Hinsicht noch in seinem äußeren Erscheinungsbild statisch. Es entwickelt sich gemeinsam mit den Nutzern weiter – sowohl kurzfristig (aufgrund der animierten Fassaden und Street-Art) als auch langfristig (durch Hinzufügen neuer Nutzungsformen und Streichen ‚alter‘ Angebote).

Indoor-Streetsport-Landschaft

Das architektonische Konzept basiert auf der Idee einer Indoor-Streetsport-Landschaft. Das Projekt öffnet den nach innen orientierten Industriebau zur Außenwelt und verwandelt die eindrucksvolle zentrale Fabrikhalle in eine neue Art von Innenraum: eine nach außen geöffnete überdachte Straßenszenerie mit einer Fläche von 3.170 m². Das Straßenkonzept wird genutzt, um die verschiedenen Bereiche zu definieren und entsprechend ihrer spezifischen Anforderungen anzuordnen, etwa räumliche Qualität, Tageslicht, Materialien und Temperaturzonen.

Das erneuerte Gebäude ist mit einer funktionalen Hülle aus lichtdurchlässigem Polycarbonat verkleidet und gewinnt so eine helle, einladende Ausstrahlung. Zugleich dient die Hülle als riesige Leinwand für die ansässigen Künstler, um ihr Werk auszustellen und zu projizieren. Nach außen hin hebt sich das Gebäude dadurch gleichzeitig positiv von den Industrieanlagen der Umgebung ab. Streetmekka in Viborg ist das erste Modernisierungsprojekt des neuen Stadtviertels und soll als Zugpferd für das urbane Leben in der aufstrebenden Gegend dienen.

Das umliegende Gelände erstreckt sich über 2.000 m² und wird zur natürlichen Erweiterung der Indoor-Fläche mit verschiedenen Streetsport- und Kulturelementen entlang eines „Grünstreifens“, der den modernisierten ehemaligen Fabrikstandort und das Stadtzentrum zukünftig über einen Fuß- und Fahrradweg verbinden soll.

Kosten

Durch den Erhalt der ursprünglichen Gebäudehülle und Wiederverwendung oder Upcycling von Baustoffen konnte die Neugestaltung zu sehr niedrigen Kosten realisiert werden. Viele der Originalkomponenten wurden auch zu Elementen für Parkour beziehungsweise Mobiliar für die verschiedenen Treffpunkte umfunktioniert. Die Kosten für das Gebäude belaufen sich damit letztlich nur auf rund ein Drittel jener einer herkömmlichen Sporthalle. Finanziert wurde das Projekt mit Unterstützung von Realdania (gemeinnütziger Verein) und den dänischen Stiftungen Lokale- & Anlægsfonden, TrygFonden und NordeaFonden.