Turnakademie in Guimarães von der Pitagoras Group Portugal

publiziert in sb 1/2018

Ambitioniert

150 m² Glasflächen für eine optimale natürliche Belichtung, 750 kWh Strom pro Tag aus Sonnenenergie, 1.300 m² Solarzellen zur Stromerzeugung, 2.000 m² Fassadenverkleidung aus Kork: die Architekten von Pitagoras verfolgten mit der „Academia de Ginástica de Guimarães“ einen hohen Anspruch an Technik und Architektur.

Guimarães war Kulturhauptstadt Europas 2012. Die Altstadt gehört zum Welterbe der UNESCO. Nun kandidiert die im Norden Portugals gelegene Stadt für den Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2020“.

Das Trainingszentrum für Kunstturnen von ­Guimarães liegt mit einer Fläche von 3.100 m² am östlichen Ende des Stadtparks und wurde als Trainings- und Wettkampfanlage für Leistungsturnen erbaut. Das Trainingszentrum umfasst einen Pavillon, eine Sporthalle, Umkleiden, Büroräume und öffentliche Flächen als Tribünenzugang.

Energetisch autark

Die größte Herausforderung bei der Umsetzung dieses Projekts lag in der Zielsetzung, ein energetisch autonomes Sportzentrum mit geringem CO2-Fußabdruck zu errichten. Das ausgegebene Ziel wurde sogar übertroffen, sodass sich die Anlage inzwischen zu einem Vorzeigemodell mit Blick auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Innovation entwickelt hat.

Das Trainingszentrum erhielt mit A++ eine sehr hohe Bewertung nach dem LiderA-System, die nicht nur in Portugal, sondern weltweit sehr selten und ausschließlich für besonders nachhaltige Gebäude vergeben wird.

Die für den Betrieb benötigte Energie wird dank Wärmerückgewinnung und optimaler Sonnenausrichtung fast ausschließlich über das Gebäude selbst erzeugt. Das gesamte Regenwasser und sonstige Abwasser werden aufbereitet und in die zu diesem Zweck ausgelegte Wasserversorgung des Sportzentrums eingespeist.

Die Materialwahl der Baukomponenten erfolgte bewusst unter Berücksichtigung ökologischer Vorgaben, um eine hohe Energieffizienz zu erzielen und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Technologie und Architektur herzustellen. Die mit dunklem Korkverbundstoff verkleidete Fassade verkörpert diese Zielsetzung auf einzigartige Weise: Sie verleiht dem Gebäude eine eigene Architektursprache und erfüllt gleichzeitig Nachhaltigkeitskriterien.

Programmatische Verbindung

Das Zentrum befindet sich auf einem Gelände zwischen zwei bestehenden Straßen, über die die verkehrstechnische Erschließung erfolgt. Auf der oberen Ebene befindet sich die Hauptstraße, auf der unteren Ebene ein Zuweg zum Trainingszentrum. Es ist am im Bau befindlichen Radweg „Ecovia“ sowie an die Santos Simões-Schule angebunden und geht mit seiner Nähe zum Stadtpark eine programmatische Verbindung ein.

Die Größe des Gebäudekörpers wurde an die erforderlichen Funktionsbereiche und die umgebende Landschaft angepasst. Die Anlage wurde gelungen in die Umgebung integriert und bildet ein neues, großvolumiges Element im Stadtpark. Die neuen Fußgängerbereiche wie der Eingangsplatz verbinden nicht nur die beiden Gebäudeebenen miteinander, sondern bieten auch einen einzigartigen Ausblick auf die Parklandschaft und die östliche Hügelkette der Stadt.