új Hidegkuti Nándor-Stadion in Budapest von Bord Architectural Studio

publiziert in sb 2/2017

Konservendose

Das von Bord Architectural Studio entworfene Új Hidegkuti Nándor-Stadion ist ein Fußballstadion der UEFA-Kategorie 3 mit 5.000 Zuschauerplätzen. Die „Fußballdose“ wurde für Fußballspiele mit geringeren Zuschauerzahlen konzipiert, aber dank ihres einzigartigen Designs erfüllt sie dennoch die funktionalen, geometrischen und akustischen Anforderungen großer moderner Stadien und erzeugt daher die gewünschte dichte Arena-Atmosphäre.

Oberste Prämisse beim Stadionbau ist eine gelungene Verbindung zwischen Spielfeld und Zuschauerrängen. Eine sorgfältig geplante, geschlossene Stadionschüssel bietet hervorragende Sichtlinien und sorgt für eine kesselartige Atmosphäre, beides wesentliche Voraussetzungen für ein perfektes Stadionerlebnis. Aus diesem Grund werden Stadien mit 20.000 bis 80.000 Zuschauerplätzen in der Regel als geschlossene, stark geschwungene, dynamische Schüsseln ausgeführt.

Stadien mit weniger als 10.000 Sitzplätzen hingegen gelten als kleine oder Mini-Arenen. In diesen Stadien ist in der Regel nicht nur mit geringerem Zuschauerkomfort und bescheidenerem Serviceangebot zu rechnen, sondern aufgrund der einfacheren Form von Sitzschüssel und Gesamtgebäude auch mit einem weniger beeindruckenden Zuschauer­erlebnis.

Einfache Funktionalität

Das Új Hidegkuti Nándor-Stadion, benannt nach dem berühmten Spieler der Goldenen Elf, befindet sich am Standort des ehemaligen MTK-Stadions in einem industriellen Außenbezirk von Budapest. Das alte Leichtathletikstadion wurde aufgrund seines maroden und nicht mehr zeitgemäßen Zustands abgerissen. Das neue Spielfeld wurde auf der Fläche der früheren, in den Boden eingelassenen Laufbahn angelegt und zur Erfüllung der Anforderungen moderner Fußballstadien von Nord nach Süd ausgerichtet. Die Anlage musste für 5.000 Zuschauer und damit als Ministadion ausgelegt werden. Angesichts dieser geringen Kapazität und der mit dem begrenzten Platzangebot vor Ort verbundenen Einschränkungen wurden die beiden Tribünen gegenüberliegend an der West- und Ostflanke des Spielfelds positioniert.

Funktionsbereiche: klein, aber fein

Das Gebäude liegt zurückversetzt am Hungária-Boulevard und wird über einen eleganten öffentlichen Platz erschlossen, von dem die Besucher den Haupteingang erreichen. Die Fans können sich von der Straße direkt und ungehindert zur Osttribüne begeben. Gastronomiestände, ein Fan-Restaurant und andere Einrichtungen befinden sich auf der Eingangsebene und sorgen für eine hochwertige Besuchererfahrung. Sogenannte „Street Boxes“ wurden als separat anmietbare Räumlichkeiten des MTK-Fan-Restaurants im ersten Stock angeordnet.

Der Hauptgebäudekörper schließt sich an die Westtribüne des Stadions an. VIP-Logen, Medienbereiche, Spielerzone und die neue Hauptgeschäftsstelle von MTK, einem der beliebtesten Vereine Ungarns, wurden in diesem viergeschossigen Gebäudeteil untergebracht. Die Parkflächen wurden vor dem Stadion in der Form der ehemaligen Leichtathletikbahn angelegt. Die Empfangsbereiche für Spieler, VIPs und Mediengäste gehen von dieser Ebene ab. Die VIP-Lounge im ersten Stock bietet direkten Zugang zur VIP-Tribüne. Die Logen wurden in die beiden obersten Ebenen integriert.

Bars, Restaurants und andere Einzelhandelsflächen befinden sich im Südteil des Stadions und sind ganzjährig für Besucher aus der Stadt geöffnet. Der Eingang für die Auswärtsfans wurde separat an der Nordseite des Stadions angeordnet, einschließlich Welcome Zone, Sitzplätzen auf der Auswärtstribüne und sonstigen Einrichtungen.

Konzeptionelle Raumplanung

Bei der Planung eines Stadions mit geringer Zuschauerkapazität entstehen innovative architektonische Lösungen. Von außen ist das Gebäude durch eine markante, versetzt zum Dach angeordnete Betonplatte erkennbar in zwei Teile gegliedert. Der öffentlich genutzte Gebäudekörper befindet sich unter der Betonplatte, das Dach darüber. Die mit der Dachkonstruktion aus Stahl verspannte Membran verleiht dem Gebäude eine dynamische Form, die an die sportliche Linienführung einer Autokarosserie erinnert. Dieser Effekt wird durch das lamellenförmige Struktur­element über dem Haupteingang noch verstärkt.

Der Gebäudekörper unter der Betonplatte mit seinen scharf gefalteten Ecken lässt den Vergleich mit Origami aufkommen und fügt sich sehr gut in die industrielle Umgebung des Stadions ein. Dieses Konzept wird an den Innenflächen rund um das Spielfeld wiederholt. Auf diese Weise wird in der Stadionschüssel eine Verbindung zwischen den beiden gegenüberliegenden Tribünen und den bewusst massiv ausgelegten Betonwänden an der Nord- und Südseite des Fußballfeldes geschaffen. Mit der schallisolierten geschlossenen Stadionschüssel soll eine Atmosphäre erzeugt werden, die man in der Regel von Stadien mit zehntausend Zuschauerplätzen erwartet.