Vereinsgebäude Varkenoord in Rotterdam von NL Architects

publiziert in sb 5/2018

Drei Vereine unter einem Dach

Drei Sportvereine mit unterschiedlichen Hintergründen und „Vereinskulturen“ schließen sich auf dem neuen Sportcampus Rotterdam zusammen: zwei Fußballvereine (FC IJsselmonde und Overmaas) und der Hockeyclub Feyenoord teilen sich ein Gebäude. NL Architects haben diesen Neubau zwischen den zwei Hauptfußballfeldern inmitten der angrenzenden weiteren Spielflächen positioniert, ein Versuch, die besondere Lage des Vereinshauses bestmöglich auszunutzen.

Vorbehalte angesichts der gemeinsamen Nutzung eines solchen Hauses sind nachvollziehbar, ist damit doch ein Stück weit die Aufgabe von Autonomie und Unabhängigkeit verbunden. Doch es gibt auch Vorteile. Das neue Vereinshaus Varkenoord soll diese potenziellen Synergien greifbar machen.

Wie lässt sich eine neue, gemeinsame Identität für das „Konglomerat“ schaffen, die den einzelnen Clubs dennoch Raum lässt, ihre eigene Identität zu leben? Das Vereinshaus liegt inmitten von drei Fußballfeldern, zwei Hockeyfeldern und Beachvolleyball-Anlagen.

Archetypisches Haus gewinnt eine neue Dimension

Der Aufbau des Vereinshauses folgt einem logischen Muster. Der besondere Standort wird mit dem Gebäude bestmöglich ausgenutzt. Die zwei Hauptfußballfelder liegen parallel zueinander, mit einer leeren Fläche dazwischen. Diese bot sich als idealer Standort für eine verlängerte Vereinshaustypologie an. Die lange Seite bietet eine unverstellte Sicht auf die Spielfelder. Infolge der Positionierung entlang der Felder wurde das Satteldach beidseitig zur Tribüne mit idealer Ausrichtung. Die Tribüne besteht aus Standard-Betonelementen auf einer leichten Stahlkonstruktion. Das Dach wird zugänglich, wird zum „Wohnraum“: eine zweiseitige Tribüne als Element, das Kapital schlägt aus der charakteristischen Ausrichtung der Spielfelder.

Doppelte Raumhöhe

Bemerkenswert sind auch die Effekte im Innenraum. Die Raumhöhe wirkt luxuriös. Die doppelte Höhe alterniert mit Zwischengeschossen, die Zugang zu Mehrzweckräumen und den Terrassen als öffentlich zugänglichen Skyboxen bieten. Die großflächige Decke ist mit Holzpaneelen verkleidet, die aus akustischen Gründen perforiert sind.

Im Erdgeschoss erschließt ein Korridor als „Hauptschlagader“ die an das Spielfeld angrenzenden Umkleiden. Die Fassade des Umkleidetrakts – naturgemäß nicht besonders attraktiv – ist in einen Hang eingebettet. Dieser „Deich“ ist mit Kunstrasen verkleidet und fügt sich reibungslos in die Umgebung ein, denn auf den Spielfeldern wurde – wie heutzutage zumeist üblich – Kunstrasen verlegt.

Der Korridor wechselt die Farbe, von blau im Norden bis rot im Süden, was die Orientierung im lang gezogenen Gebäude erleichtert. Die Umkleiden folgen dem gleichen Farbwechsel. Zwei Nebengänge führen zu den Hauptfußballplätzen.

Cafeteria „on Top“

Oberhalb des grünen Deichs wurde ein transparenter Pavillon mit Bars, Verwaltungs- und Tagungsräumen angelegt, allesamt mit Panoramablick. Die umlaufende Terrasse umschließt das gesamte Gebäude und ermöglicht eine hervorragende Sicht auf das Spielgeschehen. Das Vereinshaus ist von einer weitläufigen Veranda umgeben. Der „öffentliche“ Teil der Kantine windet sich durch das Gebäude und teilt den Raum auf natürliche Weise in Bereiche für die einzelnen Vereine.

Mit Blick auf Nachhaltigkeit wurden ganz oben auf dem Gebäude Solarkollektoren verbaut, wo sich auch die technischen Anlagen und Leitungssysteme befinden.