Wellnesscenter am College von New Rochelle (NY) von ikon.5 architects

publiziert in sb 6/2017

Jungbrunnen für Körper, Geist und Seele

Das Center for Wellness am College von New Rochelle beherbergt auf 5.110 m² Fläche eine Sporthalle (mit Eignung für NCAA-Wettkämpfe), eine Schwimmhalle, ein Aerobic-/Fitness­zentrum und einen Raum für ganzheitliche Meditation. Das Architekturbüro ikon.5 architects hat hier ein wahres Paradies für Wohlbefinden rund um Körper, Geist und Seele geschaffen. Ähnlich epischen und malerischen Darstellungen des Gartens Eden gleicht das Center einer Oase, abgeschirmt vom hektischen Treiben des Big Apple.

Nach fast 40 Jahren entschied sich das traditionsreiche College der freien Künste von New Rochelle anlässlich seines hundertjährigen Bestehens für die Errichtung eines neuen Gebäudes auf dem Campus. Der Campus ist geprägt von einer grünen Rasenlandschaft mit altem, Schatten spendendem Baumbestand und Steingebäuden im Stil der französischen Gotik, die auf die Gründung der Einrichtung vor 100 Jahren durch den Ursulinenorden zurückgehen.

Das Wellnesscenter bietet auf einer Fläche von 5.110 m² Raum für Sport und Sportwettkämpfe, zum Lernen, aber auch zum Innehalten. Zur Anlage gehören die Sport-/Versammlungshalle mit 2.000 Sitzplätzen, eine Schwimmhalle mit Sechsbahn-Wettkampfbecken und 200 Zuschauerplätzen, ein Aerobic-/Fitnesszentrum, ein Raum für ganzheitliche Meditation, Unterrichtsräume für Kurse in Pflege- und Gesundheitsdienstleistungen sowie ein kontemplativer Garten mit Kapelle.

Sanft abfallendes Gelände

Die Architekten entschieden sich dafür, Schwimmhalle, Duschen und Umkleiden sowie Technikraum und Fitnesszentrum in das Hangprofil zu integrieren. Durch die Einbettung von Teilen der Anlage in die natürliche Topografie des Standorts und das Anlegen eines „Dach“-Gartens auf den unterirdischen Gebäudeteilen wird ein allzu wuchtiger Gesamteindruck des Bauwerks vermieden, der die malerische Umgebung beeinträchtigt hätte.

Technische Meisterleistung

Um die Schwimmhalle höhlenartig in das Hangprofil zu integrieren, entwickelte das Team eine gewölbte Stahlbetondecke, die sich mit einer Gesamtbreite von rund 25 Metern über das Becken spannt. Gewählt wurde eine zweischalige Deckenkonstruktion, deren Zwischenraum Platz bietet für Belüftungs-, Wärmerückgewinnungs-, Brandschutz- und Beleuchtungsanlagen. Der obere Teil der Gebäudehülle dient als Basis für den kontemplativen Garten, der untere Teil bildet die Decke der Schwimmhalle und sorgt für eine korrosionsbeständige Einfassung der Poolumgebung in Umsetzung des architektonischen Gedankens einer Höhle.

Nachhaltigkeit wird dem Selbstverständnis des Colleges gerecht

Der nachhaltige Projektentwurf, der den Umwelteinfluss am Standort gering hält und zudem einen ressourcen- und umweltschonenden Betrieb ermöglicht, entspricht dem Selbstverständnis des Colleges als Einrichtung zum Wohle der Allgemeinheit.

Oberlichter und farbiges Verbundglas lassen viel Tageslicht in die weiträumige Sport- bzw. Schwimmhalle einfallen und senken so den Bedarf an künstlicher Beleuchtung am Tag. Auch andere öffentliche Flächen und Unterrichtsräume werden mittels Oberlichtern oder großflächig verglasten Wänden mit Tageslicht versorgt, sodass Kunstlicht auch hier tagsüber nicht oder nur in geringem Maße benötigt wird. Die grüne Dachgartenoase dient der Isolierung der darunterliegenden Schwimmhalle und sorgt nahezu ganzjährig für angenehme Temperaturen. Das Energy Star-Dach der Sporthalle reflektiert das Licht und mindert die Aufheizung des größten Gebäudekörpers dieses Entwurfs.

Eine physische, geistige und spirituelle Erfahrung

Alle Hauptkomponenten des Projekts stehen für metaphorisierte Geländeformen: Die Schwimmhalle symbolisiert eine Höhle, die Sporthalle einen Fels und die Eingangshalle eine Felsschlucht. Gewölbte sandgestrahlte Betondecken und -wände in der Schwimmhalle vermitteln den Eindruck einer in den Hang eingebetteten Höhle.
 
Der verwendete Strukturbeton enthält recycelfähige Flugasche und Hüttensand. Die Oberlichter der gewölbten Betonhöhle lassen Tageslicht herein, das bis ins Wasser reicht, und senken so den Bedarf an Kunstlicht und damit den Energieverbrauch. Eine Wärmerückgewinnungsanlage in der Schwimmhalle leitet die vom beheizten Wasser der Schwimmbecken abgegebene Wärme zurück in die zweischalige gewölbte Betondecke.

Granit: ein natürlicher Baustoff aus der Region

Im Freien dient der Garten auf dem Dach der Schwimmhalle als grüne Oase zur Kontemplation und Meditation, der darüber hinaus wärmeisolierend wirkt und Regenwasser ableitet. Die Außenwände der Sporthalle sind mit Granit aus der Region verkleidet und erwecken den Eindruck tektonischer Felsformationen. Ein Gebäudeteil ragt über den Hang hinaus wie ein Felsvorsprung, sodass der Kursraum für ganzheitliche Meditation förmlich über einem Wäldchen alter Bäume schwebt, die dank dieser Lösung erhalten bleiben konnten.

Die Fenster erinnern an Felsspalten, das farbige Verbundglas greift das stereometrische Muster der Mauerverkleidung auf und schützt Sporthalle und Klassenräume vor Blendung. Im Innenraum bestehen die Wände der Eingangshalle aus grob behauenem Granit und sandgestrahltem Beton. Die beiden Wände sind einer Schlucht nachempfunden und entsprechend geneigt, was die Verschmelzung von Landschaft und Gebäude zusätzlich unterstreicht.

Von der Eingangsebene ergießt sich eine breite Beton­treppe ins Untergeschoss. Im Innenbereich wurden recy­clingfähige Materialien wie Glassplitt in der Bodenplatte und im polierten Betonboden der Lobby sowie Kork und Gummi im Sportbelag des Fitnesszentrums verbaut. Diese nachhaltige Strategie verstärkt den metaphorischen Projektansatz zusätzlich.

Dank der geschickten Kombination von Granit, Beton, farbigem Verbundglas und Grünanlagen lässt das Zen­trum Gebäude und Landschaft in ihrer Beziehung zueinander verschmelzen und erhielt dank des durchdachten Konzepts für Anlagen und Baustoffe die LEED-Zertifizierung in Silber.