Westminster Pier Park von PWL Partnership Landscape Architects

publiziert in sb 4/2017

Neues öffentliches Leben im Industriehafen

Im Westminster Pier Park, einem 3,84 Hektar großen Areal, das sich teilweise auf Piers am Fraser River in New Westminster (Kanada) erstreckt, finden Geschichte und Nachhaltigkeit zusammen. PWL Partnership Landscape Architects hat sich auf den Fluss, die Vergangenheit und die Menschen konzentriert, um die Geschichte der ersten Hauptstadt von British Columbia zu erzählen, in einer Reihe von Erlebnisräumen, akzentuiert durch eine Promenade, eine Sitzmauer mit historischen Fotos und ein so genanntes Band der Erinnerungen aus Wörtern, die zu Reminiszenzen an Stadt und Uferlinie anregen. Das Projekt ist die erste Stufe eines langfristig angelegten Vorhabens der Stadt New Westminster, das gesamte Flussufer wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Das Projekt Westminster Pier Park wurde auf einem vormals industriell genutzten Gelände mit einem verrotteten Holzpier und einer kontaminierten Brache angelegt. Als New Westminster 1859 am Standort des Dorfes der Kwantlen-Indianer gegründet wurde, ahnte noch niemand, welche langfristig schädigenden Auswirkungen die Industrie entlang des Fraser-Ufers haben würde. Sägewerke, Lachskonservenfabriken, Reederei- und Eisenbahnbetriebe boomten, säumten das Flussufer oder reichten sogar entlang der Piers bis in den Fluss hinein, lebensnotwendig für den Handel mit Waren und Dienstleistungen. Industrieabfälle und sonstiger Müll wurden einfach im Fluss entsorgt. Zurück blieben schadstoffbelastetes Erdreich und verrottete Piers.

Sanierung und Renovierung

Die Herausforderung für PWL Partnership in Zusammenarbeit mit den Ingenieuren von Worley Parsons bestand nicht nur in der Sanierung des Standorts, sondern auch und vor allem darin, die Geschichte von New Westminster respektvoll aber auch umweltfreundlich und nachhaltig einzubetten in ein Konzept, das einen attraktiven Treffpunkt schaffen sollte für die Menschen vor Ort. Rund ein Drittel des lang gezogenen Areals nahmen die 60 bis 100 Jahre alten Piers in Anspruch. Diese mussten ersetzt werden, damit auf dem Gelände ein Naherholungsgebiet entstehen konnte, da eine Aufschüttung des Fraser River zwecks Landgewinnung nicht in Betracht kam.

Zwischen den neuen Landungsbrücken befindet sich entlang der Wasserlinie am Übergang zur Promenade ein neuer Uferstreifen mit Intertidenbereich für Fische und sonstige Wildtiere. Dieses Biotop erstreckt sich über ein Drittel der Länge des Parks und dient dem Lachs auf seiner Wanderung flussaufwärts während der Laichzeit als Nahrungsquelle. Begrünt mit Hartriegel, Weide, Felsenbirne, Rosengewächsen und anderen einheimischen Pflanzen bietet es auch Vögeln, Insekten und Kleintieren einen Lebensraum. So entsteht nach über 150 Jahren wieder ein gesundes Ökosystem entlang des Fraser River.

75 Jahre Nachhaltigkeit

Neben der Dekontaminierung des Geländes und der Wiederherstellung des Lebensraums für Fische und andere Wildtiere lag ein weiteres Augenmerk auf der langfristigen Nutzung des Parks, der auch zukünftigen Generationen als Freizeitareal dienen soll. So durften beispielsweise laut einer Vorgabe der Stadt New Westminster ausschließlich Baustoffe mit einer Lebensdauer von mindestens 75 Jahren verwendet werden. Entsprechend sorgfältig wurden robuste, leicht in Stand zu haltende Materialien ausgewählt, darunter unlackierter verzinkter Stahl, Hartholz und Flugaschebeton. Heimische Baustoffe und in vielen Fällen auch rückgewonnene Materialien wie die Holzpfähle kamen im gesamten Park zum Einsatz, um den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten.

Historisches Einkaufs- und Arbeitsumfeld

Da es sich um ein Projekt in der ältesten Stadt Westkanadas handelt, der ersten Hauptstadt von British Columbia und Heimat zahlreicher Arbeiter mit ausländischen Wurzeln, stand bei der Projektentwicklung die Erinnerung an die historische und kulturelle Vergangenheit der Stadt im Mittelpunkt. Entlang des gesamten Parks wurden Gedenktafeln aus vorbewittertem Stahl aufgestellt, die beispielsweise an die Ureinwohner und die chinesischen Wäschereien erinnern und das Erbe New Westminsters lebendig halten. Alte Fotos auf Aluminiumuntergrund wurden an Sitzstufen angebracht und zeigen Impressionen aus der Vergangenheit des Uferareals von der Besiedelung bis zur Industrialisierung.

Im Herzen des Parks, direkt am Lytton Square, befindet sich ein großes Fachwerkgebäude, das an die erste innerstädtische Markthalle erinnert, die 1893 dort eröffnet wurde. Das Gebäude beherbergt ein breitgefächertes Angebot an Freizeitaktivitäten. Der Markt war ein zentrales Element der Innenstadt. Die erste Markthalle wurde 1892 auf dem Lytton Square am Ufer des Fraser River errichtet, um die Transport- und Versandaktivitäten der dort ansässigen Unternehmen zu ergänzen. So wurde New Westminster zu einem Drehkreuz für landwirtschaftliche Erzeugnisse, mit Anlagen zur Verarbeitung von Lebensmitteln und Kühlräumen für deren Lagerung. Später wurde der Markt ans westliche Ende der Columbia Street verlegt, wo er bis weit in die siebziger Jahre hinein in Betrieb war.

Liegestühle, die inspiriert wurden von den Karren, die früher an den Docks verwendet wurden, können fluss- oder stadtwärts ausgerichtet werden. Entlang der Uferpromenade befinden sich ein Pfahlwald auf einer ­Rasenfläche, ein Schiffssteuerrad, Windsäcke und Handkurbeln, die an das geschäftige Treiben entlang des Flusses erinnern.

Die Menschen an den Fluss zurückholen

Während das Areal früher eine Kluft zwischen Fluss, ­Eisenbahn und Stadt bildete, werden diese nun durch den neuen Park miteinander verbunden. Der als Erlebnisbereich konzipierte „Pfahlwald“ befindet sich am Ende der 4. und 6. Straße, wichtige Verbindungspunkte zum Park, wenn man aus der Innenstadt kommt. Entlang der auf Pfählen über dem Wasser angelegten Uferpromenade, einer reinen Fußgängerzone, befinden sich mehrere Gebäude für Freizeitaktivitäten und festliche Anlässe. Sie sind neuer Anziehungspunkt für die Bewohner von New Westminster. Unter der Pfahlkonstruktion ist ein neues Biotop entstanden, das zahlreichen Arten Lebensraum bietet.
Diverse Aktivitätsbereiche, darunter mehrere Spielplätze und ein Spielfeld für Teenager, machen den neuen Park für alle Altersklassen attraktiv. Der Festrasen mit Platz für 2.000 Personen soll zum „Wohnzimmer“ der Stadt und Veranstaltungsort für viele saisonale Festivals in New Westminster werden.

Das von der Stadt initiierte nachhaltige Projekt Westminster Park, ursprünglich als grüne Oase für die Bewohner von New Westminister gedacht, hat sich aufgrund seiner einzigartigen Umsetzung mit historischen Elementen, ­Erschließung des Fraser River-Ufers und vielseitigen interessanten Themenbereichen längst zu einer regionalen ­Attraktion entwickelt.